Die Deutsche Bahn und das Bundesverkehrsministerium reduzieren die Zahl der Streckensperrungen für Generalsanierungen bis 2031 auf 13 Projekte. Die übrigen Vorhaben werden nicht gestrichen, sondern auf einen später festzulegenden Zeitpunkt verschoben.
Was sich ändert
Der ursprüngliche Plan aus dem Februar 2023 unter dem damaligen Verkehrsminister Volker Wissing und dem früheren Bahn-Chef Richard Lutz sah vor, rund 40 stark befahrene Bahnstrecken bis 2031 mit bis zu acht Vollsperrungen pro Jahr zu sanieren. Sanierte Abschnitte sollten danach rund zehn Jahre lang baufrei und deutlich weniger störanfällig bleiben.
Nach Kritik vor allem von Güterverkehrswettbewerbern wurde das Konzept 2025 erstmals angepasst: Die Zahl der jährlichen Sanierungen sank auf vier bis fünf, der Gesamtzeitplan wurde bis 2036 gestreckt. Mit der aktuellen Änderung ist der Abschluss aller rund 40 Generalsanierungen zeitlich völlig offen.
Grund der Kürzung
Im Juli stellte Bahnchefin Evelyn Palla das bisherige Sanierungskonzept infrage und erklärte, der Zeitplan bis 2036 lasse sich nicht halten, weil die Arbeiten deutlich mehr Zeit beanspruchten als ursprünglich kalkuliert.
Auf der im Dezember 2024 nach sechsmonatiger Bauzeit wiedereröffneten Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim lief es vergleichsweise gut, doch auf der Strecke Hamburg–Berlin verzögerte sich die Eröffnung durch Frost im Januar und Februar 2026 um rund sechs Wochen.
Nach Angaben der Deutschen Bahn kam es danach zu erheblichen Verspätungen, Zugausfällen sowie weiteren Sperrungen und Umleitungen, um Restmängel zu beseitigen. Auch auf der Strecke Nürnberg–Regensburg kündigte die Deutsche Bahn eine verspätete Wiedereröffnung an.
Folgen für Pendler
Für Fahrgäste bleibt die Lage angespannt: Im ersten Halbjahr 2026 waren weniger als 60 % der Fernzüge pünktlich unterwegs. Verkehrsminister Steffen Bilger und Bahnchefin Evelyn Palla halten am Prinzip der Vollsperrung zentraler Trassen grundsätzlich fest, wollen künftige Baustellen aber besser absichern.
Die Infrastrukturgesellschaft InfraGo bereitet Umleiterstrecken intensiver vor und stimmt Bauabläufe stärker mit anderen Baustellen im Schienennetz ab. Nach Abschluss der Bauarbeiten soll der Verkehr schrittweise statt an einem festen Stichtag hochgefahren werden: Güterzüge fahren zuerst wieder, Passagierzüge erst, wenn sich der Güterverkehr normalisiert hat.
Nächste Schritte
Strecken, die von den frühen 2030er-Jahren an erneuert werden, sollen durchgängig auf das digitale, signalfreie Zugleitsystem ETCS ausgelegt sein. Dafür erhalten erneuerte Stellwerke bereits ETCS-fähige Technik, angepasste Signalstandorte und moderne Achszähler. Im kommenden Jahr will die Deutsche Bahn festlegen, in welcher Reihenfolge die Sanierungen ab 2032 erfolgen.