Deutschlands Industrie steckt unter wachsendem China Exportdruck: Weil China im eigenen Land immer weniger Abnehmer für seine Waren findet und die USA ihren Markt stärker abschotten, fließen mehr chinesische Produkte nach Europa. In Deutschland sind dadurch in den vergangenen Jahren bereits hunderttausende Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe weggefallen.
Die Europäische Union bietet mit mehr als 450 Millionen Verbrauchern einen großen Absatzmarkt, der für chinesische Hersteller umso attraktiver wird, je stärker andere Märkte abriegeln. Für den Maschinenbau, die Autoindustrie und die Chemiebranche in Deutschland, die jahrzehntelang massiv von China profitierten, kehrt sich das Verhältnis damit zunehmend um.
Warum exportiert China jetzt verstärkt nach Europa?
China produziert mehr, als das eigene Land abnehmen kann. Das Konsumklima ist schwach, und die Immobilienkrise belastet die Vermögen privater Haushalte. Zusätzlich pumpt der Staat große Summen in Subventionen, verschafft heimischen Firmen günstige Kredite und steckt viel Geld in Zukunftsbranchen – dadurch sind chinesische Unternehmen auf wichtigen Weltmärkten zu echten Konkurrenten für deutsche Hersteller aufgestiegen.
Ökonom Benedikt Herles beschreibt die chinesischen Wettbewerber als innovativer, effizienter und schneller geworden. Das Handelsdefizit Europas mit China wächst deshalb seit Jahren kontinuierlich.
Welche Nachteile treffen die deutsche Industrie zusätzlich?
Der Exportdruck aus China trifft eine deutsche Industrie, die bereits mit eigenen strukturellen Problemen kämpft. Dazu zählen mehrere Faktoren, die sich gegenseitig verstärken:
- Demografischer Wandel und schwache Produktivitätsentwicklung
- Zu geringe private Investitionen
- Hohe Energiepreise durch Energiewende, Ukraine-Krieg und den Wegfall günstiger russischer Gaslieferungen
- Schwere Steuerlast, viel Bürokratie und zähe Genehmigungsverfahren
Strom und Gas sind für Industriekunden inzwischen ein echter Standortnachteil, obwohl Deutschland nie zu den Ländern mit besonders niedrigen Energiepreisen zählte. Zugleich haben andere Regionen, vor allem in Asien, enorm an Innovationskraft gewonnen, während innerhalb Europas weiterhin Barrieren bestehen – etwa lässt sich mit einem Kredit aus Deutschland kaum ein Haus in Frankreich finanzieren.
Was Deutschland jetzt tun kann
Im EU-Parlament mehren sich Stimmen für einen schärferen Kurs gegenüber China, verbunden mit der Warnung vor Wettbewerbsnachteilen für europäische Firmen. Ein solcher Kurswechsel würde direkt die Rahmenbedingungen für Importe aus China betreffen und damit auch die Lage der deutschen Industrie beeinflussen.
Herles verweist zudem auf ein zusätzliches Risiko für die Weltwirtschaft: Mehr als 90 % der fortschrittlichsten Computerchips werden in Taiwan produziert. Eine Seeblockade Taiwans könnte je nach Dauer, Umfang und betroffenen Gütern massive Folgen haben – ein Szenario, das die Abhängigkeit globaler Lieferketten zusätzlich offenlegen würde.
Für Beschäftigte in exportorientierten Branchen bleibt die EU-Entscheidung über schärfere Handelsregeln gegenüber China der nächste konkrete Schritt, der die Richtung vorgibt.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.