Chinesische Autos erreichten Ende 2025 in Deutschland einen Marktanteil von rund 2,4 %, im Dezember bereits 3,7 %. Von insgesamt 2.857.591 neu zugelassenen Personenkraftwagen im Jahr 2025 entfielen damit mehrere Zehntausend Fahrzeuge auf Marken wie BYD, MG Roewe und Leapmotor. Für Käufer bedeutet das: Das Angebot an chinesischen Modellen wächst spürbar, und die Hersteller werben mit ungewöhnlich langen Garantien um Vertrauen.
BYD wächst 2025 um 706 Prozent
Besonders auffällig ist der Sprung bei BYD: Der Hersteller kam 2025 in Deutschland auf 23.306 Neuzulassungen, ein Plus von 706,2 % gegenüber dem Vorjahr. Noch stärker legte Leapmotor zu, mit 7.280 Neuzulassungen und einem Plus von 3.989,9 %. MG Roewe blieb mit 26.479 Neuzulassungen zwar die größte chinesische Marke in Deutschland, wuchs aber nur um gut ein Viertel und damit langsamer als die Konkurrenz.
Zum Vergleich: Hybridfahrzeuge machten 2025 insgesamt 39,5 % aller Neuzulassungen in Deutschland aus, batterieelektrische Fahrzeuge kamen auf 19,1 %. Die chinesischen Marken docken also an einen bereits wachsenden Markt für alternative Antriebe an.
Was die Hersteller Käufern bieten
Um gegen etablierte Marken zu bestehen, setzen die chinesischen Anbieter auf lange Garantien. BYD gibt sechs Jahre oder 150.000 Kilometer Fahrzeuggarantie, bei der Batterie bis zu acht Jahre oder 250.000 Kilometer. MG bietet sieben Jahre oder 150.000 Kilometer auf Fahrzeug und Batterie gleichermaßen. Leapmotor kommt auf drei Jahre oder 100.000 Kilometer Fahrzeuggarantie, bei der Batterie auf acht Jahre oder 160.000 Kilometer.
Die Hersteller verfolgen dabei unterschiedliche Strategien: BYD setzt auf Batterietechnik und Qualität, MG auf Preis-Leistung und Volumen, Leapmotor auf günstige Elektrofahrzeuge über den Stellantis-Vertrieb. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt sind chinesische Modelle 2025 und 2026 noch selten, was zu hoher Nachfrage und intensiven Preisverhandlungen führt.
Warum der Preiskampf in China nach Europa schwappt
Der Vorstoß nach Deutschland hat auch mit der Lage im Heimatmarkt zu tun. In China sank der Binnenabsatz von Verbrennerautos in den ersten fünf Monaten 2026 deutlich, während Fahrzeuge mit alternativem Antrieb im Mai 2026 bereits 56,9 % aller verkauften Fahrzeuge ausmachten.
Seit dem 1. Januar 2026 entfällt zudem die steuerliche Begünstigung beim Kauf solcher Fahrzeuge, und die chinesische Regierung kürzte Anfang 2026 die Kaufprämien besonders für günstige Modelle.
Auf dem chinesischen Markt herrscht deshalb ein harter Preiskampf. BYD meldete für das erste Quartal 2026 einen Rückgang des Nettogewinns um 55,4 % gegenüber dem Vorjahr, obwohl der Konzern weltweit 4,55 Millionen Fahrzeuge absetzte und seinen Weltmarktanteil von 0,5 % im Jahr 2019 auf 5,3 % im Jahr 2025 steigerte. Wer im eigenen Land weniger verdient, sucht neue Märkte – und Europa gehört dazu.
Wie die EU auf steigende Marktanteile reagiert
Die Europäische Union erhebt bereits Zusatzzölle auf batterieelektrische Fahrzeuge aus China, um staatliche Subventionen auszugleichen; für Autos des Herstellers SAIC liegt der höchste Zollsatz bei 35,3 %.
Nach Angaben der EU wird für 2026 zudem über Preisverpflichtungen oder Mindestpreis-Modelle als Alternative zu pauschalen Strafzöllen nachgedacht. Dabei sollen klassische Rabatte durch Service-Bundles, Versicherungsdeals und Finanzierungsangebote ersetzt werden.
Manche Hersteller weichen den Zöllen bereits aus: BYD investiert Milliarden in ein neues Werk in der Türkei, der SAIC-Ableger MG lässt in Thailand produzieren und importiert teilweise nach Europa. In Spanien hat der chinesische Hersteller Chery eine stillgelegte Fabrik von Nissan übernommen.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.