Der Kärntner Dachdeckerbetrieb Fleischmann & Petschnig hat in Klagenfurt seinen neuen Forschungscampus eröffnet. Das Gebäude ging am Donnerstag in Betrieb, wie das Unternehmen mitteilt. Für den Bau wurde laut Geschäftsführer Otmar Petschnig ein niedriger, zweistelliger Millionenbetrag investiert.
Der Forschungscampus Klagenfurt bringt Handwerk und Entwicklung unter ein Dach: Neben Büroflächen entstanden eine eigene Forschungsabteilung und eine Produktionshalle auf dem Firmengelände.
130 Jahre Handwerk treffen auf 14 Jahre Forschung
Fleischmann & Petschnig besteht seit über 130 Jahren. Das Unternehmen ging 1892 als kleines Dachdeckerunternehmen in Klagenfurt hervor, wie meinbezirk.at 2024 berichtete. Seit knapp 14 Jahren beschäftigt sich der Betrieb nach eigenen Angaben systematisch mit Forschungsfragen und arbeitet dafür mit der TU Graz und mit Fraunhofer Österreich zusammen.
Diese Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen bildet nun die Grundlage für den neuen Campus, in dem Entwicklung und Produktion erstmals räumlich zusammengeführt werden.
1.200 Quadratmeter Büro, 800 Quadratmeter Forschung
Der neue Campus umfasst 1.200 Quadratmeter Bürofläche, dazu kommen 800 Quadratmeter für die eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung sowie eine ebenso große Produktionshalle. Das Gebäude wurde mit transparenter, lichtdurchlässiger Architektur ausgeführt, damit sich Mitarbeiter aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen leichter austauschen können, wie das Unternehmen erklärt.
Zusätzlich zu Fleischmann & Petschnig haben am Standort auch die Unternehmen PVI GmbH, d4pro GmbH, Kanbon GmbH und RPM Gebäudemonitoring GmbH ihren Sitz gefunden. Damit entsteht am Standort ein kleiner Cluster aus Betrieben, die an verwandten Themen arbeiten.
Mehr als 5.000 Messpunkte überwachen Gebäude
Kern der Forschungsarbeit ist die Gebäudeüberwachung: Das Unternehmen verfügt bereits über mehr als 5.000 Messpunkte in Gebäuden, über die Daten aus Schadenfällen direkt in Monitoringsysteme einfließen. Entwickelt wurden unter anderem ein System zur Überwachung von Flachdächern und Baukonstruktionen, eine Lösung zur Kontrolle von Nassräumen in Fertigteilhäusern sowie ein mobiles Gerät zur Messung der Holzfeuchte.
- Monitoring für Flachdächer und Baukonstruktionen
- Überwachung von Nassräumen in Fertigteilhäusern
- Mobile Messung der Holzfeuchte
Nach Einschätzung von Michael Petschnig aus dem Unternehmen erlauben die Systeme präzisere Alterungsprognosen und Risikoabschätzungen. Dadurch lassen sich Schäden gezielt lokalisieren, sodass bei Sanierungen nicht mehr ganze Dämmschichten ausgetauscht werden müssen, sondern nur die betroffenen Stellen.
Was der Campus für die Region bedeutet
Am Standort Klagenfurt beschäftigte die Fleischmann & Petschnig-Gruppe laut eigenen Angaben aus dem Jahr 2024 rund 120 Mitarbeiter. Mit dem neuen Campus will der Betrieb nach Worten von Geschäftsführer Otmar Petschnig Forschung und Handwerk enger verzahnen, um für eine digitale und nachhaltige Zukunft der Branche gerüstet zu sein.
Für die Region bedeutet die Investition vor allem eines: Ein alteingesessener Betrieb bindet Forschungsarbeit und mehrere Technologiefirmen an den Standort Klagenfurt, statt Entwicklung auszulagern. Ob daraus mittelfristig neue Stellen am Standort entstehen, lässt sich derzeit noch nicht absehen.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.