Der Preis für europäisches Erdgas ist am 13. Oktober 2026 auf 87,20 Euro je Megawattstunde gestiegen und damit auf den höchsten Stand seit Ende 2022. Seit Jahresbeginn hat sich der Gaspreis damit ungefähr verdreifacht. Für Haushalte in Österreich und Deutschland bedeutet das, dass Gas zum Heizen in diesem Winter spürbar teurer wird als in den vergangenen Jahren.
Allein seit Anfang Oktober 2026 kletterte der Terminkontrakt TTF an der Börse in Amsterdam um rund 20 %. Zum Vergleich: Ende Februar 2026 lag der Erdgaspreis noch bei rund 30 Euro je Megawattstunde, zu Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 hatte er zeitweise sogar 300 Euro erreicht.
Warum der Gaspreis seit Jahresbeginn so stark steigt
Als Haupttreiber gelten Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus, einer wichtigen Transportroute für Energierohstoffe.
Die vom Iran unterstützten Huthi haben zudem Drohnen- und Raketenangriffe auf den wichtigsten Flughafen Saudi-Arabiens verübt, und Saudi-Arabien schloss nach Drohnenangriffen eine wichtige Rohöl-Pipeline.
Laut Liebke liegen die Erdgas-Exporte aus der Golfregion deutlich unter dem Niveau vor dem Krieg; Katar als größter LNG-Exporteur der Region nutzt nur einen Teil seiner Kapazität.
Wie knapp die Gasspeicher in Deutschland und Österreich sind
Zusätzlich zur geopolitischen Lage sorgt das Auffüllen der Speicher vor dem Winter für Preisdruck. In Deutschland lagen die Gasspeicher zum 25. September 2026 bei rund 57 % Füllstand – nach Angaben der Initiative Energien Speichern der niedrigste Wert zu dieser Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen.
Noch Anfang November 2025 waren es 75 %, nach einer Kältewelle sackte der Füllstand in der zweiten Januarwoche 2026 auf fast die Hälfte und erreichte Anfang März 2026 mit rund 21 % seinen niedrigsten Stand seit der Energiekrise 2022.
Das staatliche deutsche Unternehmen SEFE wurde im September 2026 angewiesen, zusätzliches Gas für die Speicher zu beschaffen, was die Preise zusätzlich stützte. In Österreich sind die Speicher mit knapp 67 % beziehungsweise rund 67,1 Terawattstunden etwas besser gefüllt.
Der Jahresverbrauch des Landes liegt bei 75 bis 80 Terawattstunden, die strategische Reserve umfasst 20 Terawattstunden, weitere gut 30 Terawattstunden gehören ausländischen Speicherkunden.
Rechenbeispiel: Was sich bei der Gasrechnung ändert
Zum 1. Januar 2026 ist die deutsche Gasspeicherumlage entfallen, die zuletzt 2,89 Euro je Megawattstunde beziehungsweise 0,289 Cent je Kilowattstunde kostete und etwa 3 bis 5 % des Gaspreises ausmachte. Bei einem Jahresverbrauch von 100.000 Kilowattstunden ergibt das eine Entlastung von rund 290 Euro im Jahr.
Dem steht der CO2-Preiskorridor für 2026 von 55 bis 65 Euro je Tonne gegenüber, der bei Erdgas zu einer Mehrbelastung von bis zu 0,2 Cent je Kilowattstunde führt. Bei denselben 100.000 Kilowattstunden Verbrauch sind das rund 200 Euro zusätzlich im Jahr. Zusätzliche CO2-Zertifikate können zunächst zu 68 Euro je Tonne und später in begrenztem Umfang zu rund 70 Euro je Tonne erworben werden.
Unterm Strich bleibt aus Umlage-Wegfall und CO2-Aufschlag für diesen Beispielhaushalt ein Plus von rund 90 Euro Entlastung – bevor die eigentliche Verteuerung des Erdgases an der Börse überhaupt eingerechnet ist. Hinzu kommen die Gasnetzentgelte, die je nach Region zwischen 3,5 und 5,5 Cent je Kilowattstunde liegen und gegenüber 2025 um bis zu 12 % gestiegen sind.
Was Haushalte jetzt beachten sollten
Für die Heizsaison bedeutet die Lage an den Gasmärkten, dass Nachzahlungen bei der nächsten Jahresabrechnung wahrscheinlicher werden, wenn der Versorger die gestiegenen Einkaufspreise weitergibt.
Haushalte können ihren aktuellen Gasvertrag mit dem jeweils aktuellen Grundversorgungstarif vergleichen.
Ein Blick auf die eigene Abschlagszahlung hilft, hohe Nachzahlungen im Frühjahr zu vermeiden.
Wer seinen Verbrauch kennt, kann mit den genannten Prozentsätzen bei Netzentgelt und CO2-Preis die eigene Jahresrechnung grob nachrechnen.
In Österreich lohnt ein Blick auf die eigene Lieferantenbindung, da die Speicherfüllstände regional unterschiedlich ausfallen.
Die LNG-Lieferungen nach Westeuropa nahmen Anfang September 2026 zunächst zu, sanken in der Woche danach jedoch wieder, während sich gleichzeitig die Befüllung der Speicher verlangsamte.
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