Der Gasspeicher-Füllstand in Deutschland lag am 8. Oktober noch nicht bei 60 Prozent. Eine Modellrechnung warnt vor einer möglichen Gaslücke im Winter. Besonders betroffen wäre der norddeutsche Speicher Rehden.
Die Bundesregierung reagiert bereits: Sie wies den Versorger Sefe an, bis zum 15. Dezember acht Terawattstunden Gas zusätzlich einzuspeichern. Laut einer Modellrechnung des Energieinformationsdienstes Montel könnten bei einem Winterverlauf wie im Vorjahr bis zu 26 Terawattstunden Gas fehlen. Ob das reicht, hängt vor allem vom Wetter im Januar und Februar ab.
Wie knapp sind die Gasspeicher wirklich?
Besonders kritisch ist die Lage beim Speicher Rehden, einem der größten Gasspeicher Deutschlands. Dort liegen derzeit nur rund 4,5 Terawattstunden Erdgas, was einem Füllstand von etwa 12 Prozent entspricht. Der gesamte Speicherkomplex Rehden kommt auf 26,7 Prozent, weil die Speicherzone Nord mit 7,4 Terawattstunden deutlich besser gefüllt ist als der niedrige Teil der Anlage.
Ein Grund für die schleppende Befüllung: Rehden zählt zu den sogenannten Porenspeichern. Diese werden grundsätzlich langsamer befüllt als Kavernenspeicher und müssen laut Gesetz auch geringere Füllstände erreichen.
- Füllstand Deutschland gesamt am 8. Oktober: noch nicht 60 %
- Gesetzliche Vorgabe zum 1. November: 80 %
- Speicher Rehden: etwa ein Achtel Füllstand
- Speicherkomplex Rehden gesamt: 26,7 %
Was passiert bei einer Kältewelle im Februar?
Deutschland verbraucht im Schnitt rund 2,37 Terawattstunden Gas pro Tag. Bei länger anhaltender Kälte kann dieser Wert demnach jedoch drastisch steigen. In einem solchen Szenario wären die Speicher einer ausgeprägten Kältewelle im Februar demnach voraussichtlich weitgehend entleert.
In diesem Fall könnte in einzelnen Regionen eine echte Gasknappheit entstehen, heißt es weiter. Ein Worst-Case-Szenario sieht zudem die Abhängigkeit von US-amerikanischem Flüssigerdgas als kritisches Versorgungsrisiko, sollte dieser Importweg ins Stocken geraten.
Rechenbeispiel
Fehlen am Ende des Winters tatsächlich 26 Terawattstunden Gas, entspricht das beim durchschnittlichen Tagesverbrauch von 2,37 Terawattstunden rechnerisch rund elf Tagen, an denen die reguläre Versorgung aus den Speichern nicht gedeckt wäre (26 : 2,37 ≈ 11). Diese Lücke müsste über zusätzliche Importe, Einsparungen oder kurzfristige Lieferungen aufgefangen werden – was erfahrungsgemäß die Gaspreise für Verbraucher nach oben treibt.
Was bedeutet die aktuelle Situation?
Die Bundesnetzagentur selbst schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung weiterhin als gering ein und sieht die Versorgungssicherheit als gewährleistet an. Einen vergleichsweise niedrigen Speicherfüllstand am Ende des Winters hält die Behörde jedoch für wahrscheinlich. Wer heizen kann, ohne komplett auf Gas angewiesen zu sein, gewinnt im Fall einer echten Kältewelle zusätzlichen Spielraum.