Das Start-up Heiontec ging ohne Deal aus seinem Auftritt bei Höhle der Löwen – und steht ein halbes Jahr später besser da als vorher. Statt der in der Sendung geforderten Bewertung von zehn Millionen Euro für 250.000 Euro einigten sich die Gründer bei der späteren Finanzierungsrunde schließlich auf eine Bewertung von 7,5 Millionen Euro. Derzeit führt das Unternehmen zudem Gespräche mit einer Bank über ein zusätzliches Darlehen, dem eine Unternehmensbewertung von mehr als acht Millionen Euro zugrunde liegt. Der Heiontec Erfolg zeigt, wie eine klare öffentliche Abfuhr nicht das Ende, sondern der Auftakt für eine steilere Entwicklung sein kann.
- Keiner der fünf Investoren bot Heiontec eine Finanzierung an, Carsten Maschmeyer bezeichnete die Gründer als Chaostruppe.
- Nach der Sendung stieg die Bewertung von zehn auf später 7,5 Millionen Euro bei der abgeschlossenen Runde.
- Das Team passte seine Zellentechnologie von Knopfzellen auf flexiblere Pouch-Zellen an.
- Für 2027 plant Heiontec den ersten praktischen Einsatz seiner Stromquellen in Lagern und Büros.
Die Ausgangslage: Ein Pitch für Strom aus Raumwärme
Heiontec tritt mit einer Technologie an, die Strom aus der Umgebungstemperatur in Gebäuden, Lagern oder Fabrikhallen gewinnt. Die Idee: elektrochemische Zellen mit zwei Elektroden und einem eigens entwickelten Elektrolyt wandeln Wärme in elektrische Energie um. Zielgruppe sind vor allem Sensoren in der Industrie, die Raumtemperatur oder Feuchtigkeit messen – bei aktuellen Geräten müssen alle zwei Jahre die Batterien gewechselt werden. In der Sendung forderte das Unternehmen 250.000 Euro für 2,5 Prozent der Anteile, was einer Firmenbewertung von zehn Millionen Euro entsprach.
Was gegen Heiontec sprach: Eine Chaostruppe ohne Deal
Die Investoren reagierten reihenweise ablehnend. Frank Thelen bewertete den Pitch als zu vage und kritisierte zugleich die aus seiner Sicht zu hohe Unternehmensbewertung. Ralf Dümmel sah sich als ungeeigneten Investor für das Geschäftsmodell, Dagmar Wöhrl fragte sich, welchen Mehrwert die Löwen den Gründern überhaupt bieten könnten, und Janna Ensthaler empfahl stattdessen, die Technologie zu lizenzieren oder zu verkaufen. Carsten Maschmeyer bezeichnete die Gründer schließlich als Chaostruppe. Kritisiert wurde demnach vor allem, dass die Gründer lange brauchten, bis sie konkrete Leistungsdaten offenbarten. Am Ende bot keiner der fünf Investoren eine Finanzierung an.
Wie Heiontec die Technik und die Kapitalrunde danach umbaute
Statt aufzugeben, arbeiteten Andreas Heine und Frank Schneider an den technischen Schwächen, die die Kritik ausgelöst hatten. Das Elektrolyt wurde auf Knopfzellengröße gebracht, später stellte das Unternehmen von Knopfzellen auf sogenannte Pouch-Zellen um, die flexiblere Leistungen ermöglichen. Zeitgleich nahmen die Gründer neue Gespräche über die zuvor angedachte Kapitalrunde auf und einigten sich schließlich auf eine Bewertung von 7,5 Millionen Euro – deutlich weniger als die zehn Millionen Euro aus der Sendung, aber trotzdem eine solide Finanzierung abseits der Löwen-Runde. Mittlerweile zählen ein Family Office, zwei größere Investoren sowie rund zwei Dutzend Business Angels zu den Geldgebern, ergänzt durch Fördermittel aus Bundesprogrammen und Fördervorhaben auf Landes- und EU-Ebene. Für eine weitere Finanzierung auf Landesebene liegt bereits eine positive Rückmeldung vor.
Was andere Gründer aus dem Heiontec Erfolg lernen können
Für Unternehmer, die selbst vor Investoren pitchen oder eine Absage verkraften müssen, liefert der Fall mehrere Lehren. Der weltweite jährliche Umsatz mit internetfähigen Sensoren wächst von 20 auf 40 Milliarden Euro – ein Markt, der Heiontec trotz der Löwen-Absage weiter Rückenwind gibt. Eine Anwendung, an der das Unternehmen zusätzlich arbeitet, sind Lesegeräte für Schlüsselkarten in Hotelzimmertüren. Für das erste Quartal 2027 hofft Heiontec, dass die ersten Geräte in Lagern und Büros tatsächlich mit den eigenen Stromquellen laufen.
- Eine öffentliche Absage ist kein Todesurteil, wenn das Produkt danach konkret verbessert wird.
- Kritik an der Bewertung lässt sich durch eine spätere, realistischere Kapitalrunde auffangen.
- Technische Nacharbeit – wie der Wechsel von Knopfzellen auf Pouch-Zellen – kann neue Investoren überzeugen, die zuvor abgelehnt hatten.
- Ein wachsender Zielmarkt, hier Sensorik mit prognostiziertem Umsatzsprung, stützt die Finanzierungsgespräche auch ohne TV-Deal.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.