Der Internationale Währungsfonds hat seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft 2026 leicht angehoben, auf 3,1 %. Für Verbraucher ändert sich dadurch wenig: Nach der neuen Prognose bleibt die Teuerung weltweit historisch hoch.
Der IWF begründet die Anhebung vor allem mit massiven Ausgaben in Halbleitern, Rechenzentren und Stromerzeugung im Zuge des Investitionsbooms rund um Künstliche Intelligenz.
Darüber hinaus habe sich die Weltwirtschaft nach Einschätzung des IWF robuster gegenüber Energieschocks gezeigt als erwartet: Eine gestiegene Ölförderung außerhalb der Golfregion, der Griff auf strategische Reserven und eine schwächere Nachfrage aus China hätten den Preisschock demnach abgemildert. Die Rohölexporte am Golf lagen im September bei 88 % des Niveaus vor der Krise.
Wie stark wachsen Deutschland, die Eurozone und die USA 2026?
Innerhalb der globalen Zahl gibt es deutliche Unterschiede zwischen den großen Volkswirtschaften. Der IWF hebt vor allem die Prognose für Deutschland spürbar an.
- Deutschland soll 2026 um 1,3 % wachsen – fast doppelt so stark wie die Juliprognose, die bei unter einem Prozent lag.
- Für die Eurozone insgesamt rechnet der IWF 2026 mit 1,1 % Wachstum, ein Plus von 0,2 Prozentpunkten gegenüber Juli.
- Die USA sollen ihre Wachstumsprognose für 2026 bei etwas über zwei Prozent unverändert halten.
- Für 2027 erwartet der IWF für Deutschland 1,1 % und für die Eurozone 1,2 % Wachstum.
Als Treiber des Eurozonen-Wachstums im zweiten Quartal nennt der IWF vor allem die sehr starke Erholung Irlands und die andauernde Dynamik Spaniens. In den übrigen Euroländern sei die Wirtschaftsaktivität weitgehend stabil geblieben. Höhere Energiepreise und ein schwaches Verbrauchervertrauen bremsten das Wachstum jedoch weiterhin.
Warum bleibt die Teuerung hoch?
Parallel zur Wachstumsprognose hat der IWF auch seine Inflationserwartung angepasst. Für 2026 rechnet der Fonds mit einer globalen Teuerung von knapp fünf Prozentpunkten, für 2027 mit 4,1 % – mehr als die Juli-Prognose von 3,9 %. Der IWF schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass die weltweite Inflation 2027 über 5 % liegt, auf etwa jeden Dritten.
Als Risikofaktor nennt der IWF unter anderem die Lage rund um die Straße von Hormus, durch die ein großer Teil der weltweiten Ölexporte läuft. Der Fonds geht davon aus, dass die Meerenge im März 2027 wieder vollständig geöffnet sein wird. Für arme und energieabhängige Länder bedeutet die aktuelle Lage laut IWF deutlich höhere Kosten für Öl, Gas und Lebensmittel sowie zusätzlichen Druck durch Währungsabwertungen.
Was bedeutet das für Verbraucher und Sparer?
Eine unmittelbare Folge für Preise, Löhne oder Abgaben in Deutschland oder Österreich lässt sich aus der aktuellen IWF-Prognose nicht ableiten – dafür sind die Zahlen zu allgemein gehalten. Entscheidend ist aber die Richtung: Die weltweite Inflation soll 2027 höher ausfallen als noch im Sommer erwartet, während das Wachstum in Deutschland und der Eurozone zwar zulegt, aber auf niedrigem Niveau bleibt.
Wer seine Ausgaben oder Ersparnisse plant, kann sich also nicht darauf verlassen, dass der Preisdruck rasch nachlässt. Der IWF selbst verweist dabei auf die Lage am Energiemarkt: Erst mit der angekündigten Öffnung der Straße von Hormus im März 2027 rechnet der Fonds mit einer spürbaren Entlastung bei den Rohstoffpreisen.