Die Polizei warnt vor einer neuen Masche: Einbrecher drücken kleine Kugeln aus Lippenpflegestiften in Türschlösser oder Türspalten, um unauffällig zu testen, ob eine Wohnung bewohnt ist. Öffnet jemand die Tür, rutscht die kleine Masse heraus oder verrutscht sichtbar – für die Täter ein Zeichen, dass die Wohnung zwischenzeitlich betreten wurde.
Im Jahr 2025 zählte die Polizei deutschlandweit 82.920 Wohnungseinbrüche einschließlich Versuchen, ein Jahr davor lag die Zahl bei 78.436. Die Zahl der Fälle steigt damit weiter, während die Aufklärungsquote bei nur 14,1 % lag.
Wie funktioniert der Labello-Trick genau?
Ein Berliner Zivilfahnder, der unter dem Namen Pepe zitiert wird, berichtet, dass neben Klebefäden auch Kugeln aus Lippenpflegestiften zum Einsatz kommen. Die kleine Markierung bleibt unauffällig im Schloss oder im Türspalt stecken. Öffnet jemand die Tür, verändert sich die Position der Masse oder sie fällt heraus – die Täter erkennen dadurch, ob die Wohnung in der Zwischenzeit betreten wurde.
Pepe schätzt die Gefahr durch solche Markierungen allerdings differenziert ein: Warnungen über sogenannte Gaunerzinken seien oft übertrieben, ein tatsächlicher Einbruch nach einer solchen Markierung sei ihm nicht bekannt. Moderne Täterbanden setzen demnach eher auf unauffällige Beobachtung als auf auffällige Symbole an Hauswänden.
Wann schlagen Einbrecher bevorzugt zu?
Mehr als ein Drittel aller Wohnungseinbrüche sind sogenannte Tageswohnungseinbrüche. Besonders häufig schlagen Täter zu, während die Bewohner tagsüber unterwegs sind, etwa bei der Arbeit, beim Einkaufen oder weil die Kinder noch in der Schule sind. Besonders betroffen sind Großstädte, wo Tätergruppen Wohnviertel systematisch auf Schwachstellen oder längere Abwesenheiten prüfen.
Dass Markierungen wie der Labello-Trick dabei eine Rolle spielen können, zeigt auch ein Blick auf weitere gängige Methoden von Einbrecherbanden:
- Manipulierte Mülltonnen dienen als Kletterhilfe oder als Hinweis auf Abwesenheit der Bewohner.
- Täter geben sich als Handwerker oder Polizisten aus, um Zutritt zu Wohnungen zu bekommen.
- Wohnungen werden bevorzugt zwischen Mittag und frühem Abend angegangen, Villen eher zwischen Nachmittag und Abend.
- Der Freitag gilt als der Tag mit den meisten Einbruchsvorfällen.
Trotz der steigenden Fallzahlen zeigt sich auch eine positive Entwicklung: Im Jahr 2025 scheiterten etwa 44,9 % aller Einbruchsversuche. Mechanische Sicherungen und moderne Alarmanlagen erschweren Tätern offenbar zunehmend den Zugang.
Was können Bewohner jetzt konkret tun?
Nach Einschätzung der Polizei schützen vor allem stabile Schlösser und Beschläge an Türen und Fenstern in Kombination mit zeitgemäßer Alarmtechnik am besten vor ungebetenen Gästen. Wer ungewöhnliche Spuren am Türrahmen oder im Schloss entdeckt – etwa Rückstände, Fäden, Kekse oder fremde Materialien wie eine kleine Kugel aus Lippenpflegestift –, sollte aufmerksam werden und die Beobachtung der Polizei melden.
Wichtig ist dabei: Eine entfernte oder veränderte Markierung ist kein Beweis für einen bevorstehenden Einbruch, sondern ein Hinweis, der zusätzliche Wachsamkeit rechtfertigt. Wer regelmäßig Türschloss und Türspalt kontrolliert, bevor er die Wohnung verlässt, kann solche Manipulationen frühzeitig erkennen und entfernen.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.