Der Ölpreis für Europa steigt: Saudi Aramco hebt die Preise für Rohöl-Lieferungen nach Nordwesteuropa ab November um drei US-Dollar je Barrel an. Gleichzeitig sinkt der Preis für asiatische Käufer auf das niedrigste Niveau seit sechs Jahren. Was das für Sprit in Österreich und Deutschland bedeutet, ist derzeit nicht absehbar.
Was Europa zahlt
Für Käufer in Nordwesteuropa steigen die Preise über alle Ölsorten hinweg. Die Preise für Abnehmer in den USA bleiben dagegen unverändert. Saudi-Arabien beliefert die Europäische Union insgesamt mit weniger als 7 % ihres gesamten Ölbedarfs – die Erhöhung trifft also nur einen kleinen Teil der europäischen Versorgung direkt.
Rabatt für Asien
Für die Sorte Arab Light fällt der offizielle Verkaufspreis in Asien im Vergleich zum Vormonat um drei US-Dollar und bleibt damit fünf US-Dollar unter dem Mittelwert der Referenzpreise für Oman- und Dubai-Rohöl. Das ist der höchste Monatsabschlag seit Juni 2020.
Die Sorten Arab Medium und Arab Heavy verbilligen sich in Asien sogar um fünf US-Dollar je Barrel. Saudi Aramco begründet den Schritt damit, gestiegene Frachtraten für asiatische Käufer auszugleichen und Marktanteile zu sichern.
Teure Tanker als Treiber
Hinter der Preisverschiebung stehen stark gestiegene Transportkosten. Der Suezmax-Index für die Strecke USA–Europa legte binnen einer Woche um 150 % zu, jener für die Route Westafrika–Europa um 145 %.
Auf den langen Routen nach China zeigt sich ein ähnliches Bild: Der VLCC-Index für Westafrika–China stieg um 43 % auf rund 700.000 US-Dollar, jener für die Strecke USA-Golf–China um ein Fünftel. Schiffsmangel und Kriegsrisiken halten die Transportkosten aus dem Nahen Osten insgesamt hoch.
Lage an Hormus entspannt sich
Die Ölströme durch die Straße von Hormus sind fast wieder auf dem Niveau vor Kriegsbeginn angekommen. Saudi-Arabien lädt zusätzlich außerhalb der Meerenge Schiff zu Schiff um und leitet Öl per Pipeline zum Rotmeerhafen Yanbu, von wo aus weiter verschifft wird.
Im September kletterten die Rohölausfuhren aus dem Nahen Osten auf 16,3 Millionen Barrel täglich, womit der Region im Vergleich zur Zeit vor dem Krieg immer noch drei Millionen Barrel pro Tag fehlen.
Saudi-Arabien hat zudem die nach einem Angriff beschädigte Ost-West-Pipeline wiederhergestellt und fährt sie inzwischen mit 80 % ihrer Kapazität. Saudi Aramco bereitet sich zudem darauf vor, dass die Straße von Hormus möglicherweise gesperrt bleibt, und bietet asiatischen Raffinerien dafür alternative Häfen an.
Am 6. Oktober lag der Rohölpreis der Sorte West Texas Intermediate bei 87 US-Dollar je Barrel.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.