Wer seine Pension aufbessern will, hört seit Jahren denselben Rat: zusätzlich am Kapitalmarkt vorsorgen. In Deutschland geht eine von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission diesen Weg nun offiziell: Sie empfiehlt, die gesetzliche Pension um einen kapitalgedeckten Baustein zu ergänzen. Geplant ist, dass der deutsche Staat anfänglich ein Prozent des Bruttolohns am Kapitalmarkt investiert, später soll der Anteil auf zwei Prozent steigen.
Befürworter solcher Modelle verweisen gern auf die USA. Dort beliefen sich die Pensionsvermögen 2021 auf rund 35 Billionen Dollar und machten damit den Großteil der weltweiten Pensionsvermögen aus. Genau an diesem Punkt setzt Kritik an: Wenn ein wachsender Teil der Altersvorsorge über Finanzmärkte läuft, wächst auch der Druck, mit diesem Kapital Rendite zu erwirtschaften – und das hat Folgen, die über die Börse hinausreichen.
Wenn Wohnen zur Rendite wird
Ein Beispiel ist der Wohnungsmarkt. Das Unternehmen Blackstone wurde 2019 von der UN-Sonderberichterstatterin für das Recht auf Wohnen kritisiert, weil es Wohngebäude in günstigeren Gegenden kaufte, renovierte und anschließend die Mieten stark erhöhte.
In Deutschland wurden große öffentliche Wohnungsbestände verkauft und auf Kapitalmarktrendite getrimmt. Auch in Österreich zeigt sich der Effekt: Bei Neuvermietungen der privatisierten BUWOG liegen die Mieten oft fast doppelt so hoch wie bei vergleichbaren gemeinnützigen Wohnungen.
Das Geld, das in kapitalgedeckte Pensionssysteme fließt, muss irgendwo verdient werden. Ein Kommentar auf moment.at beschreibt, dass Lohnbestandteile von Arbeitnehmern in solche Systeme fließen, deren Rendite wiederum durch Personalabbau, höhere Mieten und höhere Preise erwirtschaftet wird – ein Kreislauf, der die Beschäftigten an zwei Enden trifft.
Pleiten durch Schuldenlast
Dass kapitalgedeckte Strukturen auch für Unternehmen selbst zum Risiko werden, zeigt der Fall Toys „R“ Us. Das Spielwarenunternehmen wurde 2005 von Finanzinvestoren übernommen und mit Milliarden an Schulden belastet. 13 Jahre nach der Übernahme ging das Unternehmen in Insolvenz.
Ein ähnliches Muster beschreibt der Fall Southern Cross: Der zeitweise größte private Pflegeheimbetreiber Großbritanniens geriet in Finanzschwierigkeiten, weil er hohe Mieten zahlen musste, die aus demselben Renditedruck entstanden waren.
Auch im Pflegebereich zeigen Studien, dass von Private-Equity-Fonds betriebene Pflegeheime weniger qualifiziertes Personal beschäftigen.
Wer am Ende profitiert
Der Kommentar argumentiert, dass kapitalgedeckte Altersvorsorge vor allem jenen nützt, die ohnehin bereits sparen können, und damit bestehende Ungleichheit verschärft. Frauen, Niedrigverdiener und Menschen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien haben demnach durch solche Systeme schlechtere Chancen, ausreichend fürs Alter vorzusorgen – wer wenig oder unregelmäßig verdient, kann schlicht weniger einzahlen.
Kritisiert werden zudem Organisationen wie die „Aktion Generationengerechtigkeit“, denen vorgeworfen wird, im Auftrag von Banken und Versicherungen Angst vor der gesetzlichen Pension zu schüren, um private Vorsorgeprodukte attraktiver erscheinen zu lassen.
Seit 1. Juli 2026 erhalten Apotheken in Deutschland Geld dafür, Kunden per Video mit Ärzten zu verbinden – doch nicht jeder Patient darf das Angebot nutzen.
Zusätzlich zur Milliarde aus der Bund-Länder-Vereinbarung fließen ab sofort jährlich 500 Millionen Euro aus einem neuen Zukunftsfonds in die Elementarpädagogik.