Der Vorstand der 1&1 AG hat mit Zustimmung des Aufsichtsrats eine Kapitalerhöhung aus genehmigtem Kapital gegen Sacheinlage beschlossen. Einzige Zeichnerin der 35.352.929 neuen Aktien ist die Mehrheitsaktionärin United Internet AG.
Drei Punkte zeigen, worum es bei der Entscheidung geht:
- Das Grundkapital von 1&1 wächst um 20 % auf 233.329.335,80 Euro.
- Bezahlt wird nicht mit Geld, sondern mit einer Darlehensforderung über 850.237.942,45 Euro gegen die Tochter 1&1 Versatel GmbH.
- Für United Internet entsteht dadurch kein zusätzlicher Liquiditätsabfluss.
- 1&1 will mit frischem Eigenkapital vor allem den Glasfaserausbau vorantreiben.
87,19 auf 89,32 Prozent: Die Ausgangslage bei United Internet und 1&1
United Internet hielt vor der Maßnahme rund 87,19 % an der Tochter 1&1 AG. Ein Teil dieses Anteils stammt aus gezielten Zukäufen am Markt: 1.290.247 Aktien gingen laut United Internet zuletzt zusätzlich in den Bestand über, nachdem der Konzern bereits am 17. August 2026 eine Order zum Kauf von bis zu 6,0 Millionen 1&1-Aktien zu marktschonenden Konditionen bis zum 30. Juni 2027 erteilt hatte. Parallel dazu lag bei der Tochter 1&1 Versatel GmbH eine Darlehensschuld gegenüber der Konzernmutter in Höhe von 850.237.942,45 Euro in den Büchern – eine klassische konzerninterne Finanzierung, die Kapital bindet, ohne die Eigenkapitalquote der 1&1 AG zu stärken.
Was gegen den klassischen Weg einer Barkapitalerhöhung sprach
Eine Kapitalerhöhung gegen Bargeld hätte frisches Geld in die Kasse gespült, zugleich aber von United Internet einen echten Liquiditätsabfluss verlangt. Zudem hätten bei einer regulären Erhöhung mit Bezugsrecht alle Aktionäre mitziehen müssen, was Zeit und zusätzlichen Prüfaufwand bedeutet hätte. United Internet begründet die Sacheinlage damit, dass sie die konzerninterne Finanzierungsstruktur vereinfacht, statt sie nur zu verschieben.
Wie die Kapitalerhöhung ohne Bezugsrecht umgesetzt wurde
Die Kapitalerhöhung läuft komplett ohne Bezugsrecht der übrigen Aktionäre: United Internet zeichnet die neuen Aktien allein. Der rechnerische Ausgabepreis je neuer Aktie liegt bei 24,05 Euro und entspricht dem Schlusskurs der 1&1-Aktie im XETRA-Handel vom letzten Handelstag vor dem Beschluss. Die neuen Aktien sind bereits ab dem 1. Januar 2026 dividendenberechtigt und sollen prospektfrei am regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse im Prime Standard notiert werden. Nach Wirksamwerden der Maßnahme beträgt das Grundkapital von 1&1 dann 233.329.335,80 Euro, verteilt auf 212.117.578 Stückaktien.
Was Netzausbau und Belegschaft von der neuen Kapitalstruktur haben
Für 1&1 steht vor allem ein Ziel im Vordergrund: eine höhere Eigenkapitalquote und mehr finanziellen Spielraum für den Netzausbau. Das betrifft unmittelbar den Betrieb der rund 4.600 Mitarbeitenden, die eines der leistungsfähigsten Glasfasernetze Deutschlands mit rund 70.000 Kilometern Strecke in über 350 Städten betreuen. Für Unternehmer und Investoren, die aus diesem Schritt lernen wollen, lassen sich vier Punkte festhalten:
- Konzerninterne Forderungen lassen sich in Eigenkapital umwandeln, ohne dass Bargeld fließen muss.
- Eine Sacheinlage kann die Bilanzstruktur der Tochter stärken, während die Mutter liquide bleibt.
- Der Verzicht auf Bezugsrecht beschleunigt die Umsetzung, konzentriert die Beteiligung aber stärker beim Mehrheitsaktionär.
- Gezielte Zukäufe am Markt lassen sich mit strukturellen Kapitalmaßnahmen kombinieren, um eine Mehrheitsposition schrittweise auszubauen.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.