Wiens Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) hat die internationale Greenpeace-Deklaration „Gas-Free Cities“ unterzeichnet. Damit verpflichtet sich die Stadt, die gesamte Wärmeversorgung bis zum Jahr 2040 auf erneuerbare Energie umzustellen. Betroffen sind rund 600.000 Gasthermen in Wien – das entspricht fast jedem zweiten Haushalt der Stadt.
Laut Greenpeace ist Wien die erste europäische Hauptstadt, die der Deklaration beitritt. Unter den unterzeichnenden Städten findet sich auch die ukrainische Stadt Chortkiv.
Fast jeder zweite Wiener Haushalt ist betroffen
Wer heute mit Gas heizt, muss sich langfristig auf einen Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme einstellen. Die Stadt hat dafür bereits das Programm „Raus aus Gas“ gestartet und den Wiener Wärmeplan 2040 beschlossen, ergänzt durch den Wiener Klimafahrplan und das erste österreichische Klimagesetz.
Czernohorszky begründet den Schritt mit stabileren Preisen und sicherer Versorgung durch heimisch produzierte Energie. Die Stadt fordert zudem weitere Gesetzesänderungen, etwa beim Gaswirtschaftsgesetz sowie beim Miet- und Wohnungseigentumsgesetz, um den Umstieg rechtlich abzusichern.
Das Tempo beim Umstieg bleibt gering
Wie schnell der Ausstieg tatsächlich vorangeht, zeigt eine andere Zahl: Pro Jahr werden in Wien nur rund 10.000 Gasanschlüsse abgemeldet. Bei diesem Tempo würde der vollständige Gasausstieg noch Jahrzehnte dauern. Im ersten Halbjahr 2026 wurden laut Vereinigung Österreichischer Kessel- und Heizungsindustrie österreichweit sogar mehr Gasthermen installiert als Wärmepumpen verkauft.
Auch die Stadt selbst ist von fossilem Gas keineswegs unabhängig: Die Wiener Fernwärme wird zu 51 % in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen erzeugt, die mit Erdgas betrieben werden. Nach Angaben von Wien Energie liegt der Gasanteil der Fernwärme in Spitzenzeiten sogar bei bis zu 65 %.
Was der Umbau kostet
Die Kosten für den geplanten Gasausstieg schätzt der Leiter des Programms „Raus aus Gas“ auf 30 Milliarden Euro. Wie dieser Betrag konkret aufgebracht werden soll, ist bislang nicht im Detail beziffert.
Dass eine starke Gasabhängigkeit teuer werden kann, zeigte sich bereits im September 2022: Damals erhöhte Wien Energie die Fernwärmepreise um 92 %. Als Grund nannte das Unternehmen die Abhängigkeit vom Gaspreis.
Greenpeace bewertet Wien im eigenen Gasausstiegs-Ranking unterschiedlich: Bei Politik, Governance und Finanzen vergibt die Organisation die volle Punktzahl, bei Emissionen und tatsächlichen Ergebnissen jedoch nur 60 von 100 Punkten.
Was sich für Haushalte mit Gastherme ändert
Bis 2030 soll der CO₂-Ausstoß des Wiener Gebäudesektors pro Kopf um 55 % sinken. Der Gasanteil am Endenergieverbrauch der Wiener Gebäude soll von aktuell über 40 % auf unter 30 % fallen.
Wer heute eine Gastherme besitzt, sollte sich daher frühzeitig über Fördermöglichkeiten im Rahmen von „Raus aus Gas“ informieren, da der Austausch angesichts der breiten Zielvorgaben absehbar an Dringlichkeit gewinnt. Anders als Gasthermen können Wärmepumpen laut Stadt Wien zudem zeitgleich heizen und kühlen – ein Vorteil, der angesichts zunehmender Hitzetage und Tropennächte an Bedeutung gewinnt.