Mit der Zeitumstellung auf die Winterzeit fällt der abendliche Berufsverkehr in die Dämmerungsphase vieler Wildtiere, warnt der ADAC. Das erhöht nach Einschätzung des Clubs das Risiko für Wildunfälle auf deutschen Straßen. Allein in Bayern wurden in der Jagdsaison 2023/24 57.160 Wildunfälle registriert.
57.160 Wildunfälle in Bayern binnen einer Jagdsaison
Bayern ist laut Polizeistatistik das Bundesland mit den meisten Wildunfällen. Für das Jahr 2024 geht fast jeder dritte Verkehrsunfall im Freistaat auf ein Wildtier zurück, wie die bayerische Polizei mitteilte. Auch andere Flächenländer melden hohe Zahlen: In Nordrhein-Westfalen zählte der Deutsche Jagdverband in der Jagdsaison 2023/24 32.920 Wildunfälle, in Baden-Württemberg waren es 26.780.
Am häufigsten kommt es laut Jagdverband zu Zusammenstößen mit Rehen. Schwarzwild folgt als zweithäufigste Unfallursache, dahinter liegen Rot- und Damwild. Die Zahlen stammen aus der Jagdsaison 2023/24 und zeigen damit die Lage vor der aktuellen Umstellung, nicht den Stand des laufenden Jahres.
Warum die Dämmerung zur Gefahrenzone wird
Genau diese Tageszeit ist die Aktivitätsphase vieler Wildtiere. ADAC-Sprecher David Dodaro weist zudem darauf hin, dass Wildtiere unabhängig von der Uhrzeit zur Nahrungssuche unterwegs sind, Autofahrer also nicht nur in der Dämmerung mit Wildwechsel rechnen sollten.
Diese Zeitfenster und Strecken sind besonders riskant
Nach Angaben des ADAC gelten die Stunden zwischen 6 und 9 Uhr sowie zwischen 17 und 20 Uhr als besonders kritisch für Zusammenstöße mit Wild. Auf Strecken mit angrenzenden Wäldern oder Feldern rät der ADAC Südbayern zu erhöhter Vorsicht.
Ein zusätzliches Risiko sieht Dodaro bei neu angelegten Straßen durch ländliche Gebiete: Wildtiere ändern ihre gewohnten Routen demnach nicht, auch wenn dort inzwischen eine Fahrbahn verläuft. Wer solche Abschnitte kennt, sollte dort besonders aufmerksam fahren.
Was Autofahrer jetzt beachten sollten
Der ADAC Südbayern kündigt an, das richtige Verhalten bei einem drohenden Wildunfall künftig in einem Fahrsicherheitstraining mit realistischen Übungen zu vermitteln. Wer selbst vorbeugen will, kann einiges beachten, um in den dunkleren Monaten sicherer unterwegs zu sein:
- In den kritischen Zeitfenstern zwischen 6 und 9 Uhr sowie 17 und 20 Uhr gilt an Wald- und Feldrändern besondere Vorsicht.
- Wer Warnschilder für Wildwechsel sieht, sollte die Geschwindigkeit deutlich reduzieren.
- Taucht ein Tier am Fahrbahnrand auf, folgen laut Erfahrung oft weitere Tiere aus derselben Gruppe.
- Bei einem unvermeidbaren Zusammenstoß ist ein kontrolliertes Abbremsen ohne starkes Ausweichmanöver sicherer als ein scharfer Lenkeinschlag.