Der Silberpreis fiel im September gegenüber dem Vormonat um 8,4 % und notierte am 2. Oktober 2026 bei rund 60 US-Dollar je Unze, nachdem er im Januar noch ein Rekordhoch von 120 US-Dollar erreicht hatte. Analysten erstellen für den Silberpreis derzeit sehr unterschiedliche Prognosen, doch der kanadische Minenbetreiber Endeavour Silver erhöhte seine Förderung im zweiten Quartal ausgerechnet in dieser Phase deutlich.
Über zwölf Monate gerechnet liegt der Silberpreis trotz des jüngsten Rückgangs noch mit 30 % im Plus. Vom Zwischenhoch bei 71,21 US-Dollar war der Kurs Ende August auf ein Mehrwochentief gefallen, ein technischer Widerstand wird im Bereich zwischen 61,80 und 62,45 US-Dollar je Unze gesehen.
Wie tief fiel der Silberpreis zuletzt?
Der Rückgang um 8,4 % im September traf einen Markt, der zuvor von Rekordständen geprägt war. Gleichzeitig rechnet das Silver Institute für 2026 mit dem sechsten Defizitjahr in Folge. Das Angebot soll demnach um 46,3 Millionen Unzen hinter der Nachfrage zurückbleiben. Als einen Grund für die angespannte Angebotslage gilt eine Energiekrise in Peru, die dort die Silberproduktion bremst.
Warum sprach die Marktlage gegen mehr Produktion?
Ein fallender Preis bei gleichzeitig unsicherer Energieversorgung in wichtigen Förderregionen ist für Minenbetreiber eigentlich ein Signal, Investitionen zurückzuhalten. Umso ungewöhnlicher ist, dass Endeavour Silver seine Fördermenge in dieser Phase ausbaute, statt sie zu drosseln.
Was macht Endeavour Silver jetzt anders?
Nach Angaben von Endeavour Silver Corp. stieg die Silberproduktion im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal um 31 %. Konkret produzierte das Unternehmen:
- 1.943.955 Unzen Silber im zweiten Quartal
- 10.474 Unzen Gold im selben Zeitraum
- 3,4 Millionen Unzen in Silberäquivalent im Quartal
- 6,8 Millionen Unzen in Silberäquivalent im ersten Halbjahr
Die Rohstoffe stammen aus den mexikanischen Minen Guanaceví und Terronera sowie aus der peruanischen Mine Kolpa. Zusätzlich plant Endeavour Silver nach eigenen Angaben eine Machbarkeitsstudie für das konzerneigene Pitarrilla-Projekt.
Für die langfristige Nachfrage spricht laut Silver Institute auch die Industrie: Die Elektronikbranche macht 34 % der industriellen Silbernachfrage aus, die Photovoltaik-Industrie bereits 15 % der gesamten Nachfrage. Ein Elektrofahrzeug enthält zudem etwa doppelt so viel Silber wie ein klassischer Verbrenner.
Das strukturelle Angebotsdefizit besteht laut Silver Institute bereits seit 2021, für 2025 wird es auf 95 Millionen Unzen geschätzt. Die registrierten Lagerbestände an der Rohstoffbörse COMEX sind seit 2020 um 70 % gesunken.
Für den Silberpreis selbst gehen Prognosemodelle weit auseinander: Prognosen erwarten für Ende 2026 einen Schlusskurs von 58,50 US-Dollar nach einem Jahrestief von 55,81 US-Dollar im Oktober, für Ende 2027 dann 78,31 US-Dollar.
Andere sehen für 2027 dagegen nur 51,44 US-Dollar, rechnen aber bis Ende 2029 mit 108,72 US-Dollar. Langfristige Modelle hingegen, gehen bis 2050 von deutlich höheren Preisen aus.
Was andere daraus lernen können
- Angebotsdefizite wirken langsam: Ein strukturelles Defizit seit 2021 zeigt sich erst über mehrere Jahre in Lagerbeständen und Preisen.
- Produktion antizyklisch ausbauen: Endeavour Silver erhöhte die Fördermenge trotz fallender Preise.
- Mehrere Standorte streuen Risiken: Minen in Mexiko und Peru gleichen regionale Probleme wie die Energiekrise in Peru teilweise aus.
- Langfristprognosen vorsichtig lesen: Die Spannweite der Modelle von rund 55 bis über 360 US-Dollar zeigt, wie unsicher Preisprognosen über Jahrzehnte bleiben.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.