Der Handel mit Blu-ray und DVD schrumpft laut Marktbeobachter Norbert Karg seit Jahren um etwa 12 bis 15 Prozent pro Jahr. Seit 2026 vertreibt kein großer Hollywood-Anbieter seine physischen Filme mehr selbst in Deutschland, der Vertrieb liegt fast komplett beim Handel. Wer trotzdem noch eine Scheibe kaufen will, landet damit fast zwangsläufig bei einem einzigen Anbieter.
Norbert Karg schätzt, dass Amazon mittlerweile zwischen 50 und 60 Prozent des gesamten deutschen Geschäfts mit DVDs und Blu-rays abwickelt. Offenbar gibt es dort inzwischen nicht einmal mehr eine eigens zuständige Person für den Einkauf im physischen Home-Entertainment-Geschäft.
Wer vor dem Regal im Elektromarkt stand und sich fragte, warum die Blu-ray-Abteilung kleiner geworden ist, bekommt hier die Antwort: Der Großteil des Geschäfts findet online statt, und selbst dort kümmert sich kaum noch jemand aktiv darum.
Wer treibt den Rückzug aus dem Blu-ray-Geschäft voran?
Der Umsatz mit DVDs ist im Jahrzehnt von 2013 bis 2023 in Deutschland stark gefallen, Blu-ray verlor in diesem Zeitraum laut denselben Zahlen mehr als die Hälfte seines Umsatzes. Parallel dazu zogen sich LG und Sony aus Teilen der Disc- und Playerproduktion zurück.
Samsung und LG haben den Markt für Blu-ray-Player inzwischen ganz verlassen, Sony strich seinen eigenständigen Player UBP-X700/K, der rund zwei Jahrzehnte im Handel war. Von Sony bleibt damit praktisch nur noch die PlayStation 5 mit optischem Laufwerk als Abspielgerät übrig, und auch dort endet die Geschichte absehbar: Ab 2028 will Sony neue Spiele nicht mehr auf Disc herausbringen.
Warum geben Sammler trotzdem mehr Geld aus?
Mitten im Rückzug der großen Hersteller wächst ausgerechnet das teurere Segment. In Großbritannien verzeichneten 4K-Blu-rays laut der Branchenorganisation BASE im Jahr 2024 ein deutliches Verkaufsplus. In Deutschland stieg das Segment der 4K-Blu-rays nach Angaben von Norbert Karg um 17 Prozent, während der Gesamtmarkt im selben Zeitraum 13 Prozent verlor.
Besonders gefragt sind dabei sogenannte Steelbooks, limitierte Metallhüllen mit aufwendiger Gestaltung: Sie machten laut Karg etwa ein Drittel des gesamten 4K-Umsatzes aus. Die typische Käuferschicht für solche Editionen sind nach seiner Beobachtung allein lebende Männer zwischen 40 und 60 Jahren.
Was kosten die Blu-ray-Neuheiten im November?
Wie groß die Preisspanne inzwischen ist, zeigt ein Blick auf die Neuerscheinungen rund um den 6. November 2026. Allein an diesem Tag reichen die Preise von 14,99 Euro für einfache Ausgaben bis zu 196,99 Euro für aufwendige Sammlereditionen. Der Durchschnitt der an diesem Tag veröffentlichten Titel liegt bei knapp 52 Euro, gut das Drei- bis Vierfache einer einfachen Standard-Blu-ray.
Wer eine günstige Fassung sucht, findet sie also weiterhin, wer Wert auf Steelbook oder 4K legt, zahlt deutlich drauf. Neben dem 6. November erschienen bereits am 2., 4. und 5. November 2026 weitere Blu-ray-Titel, die Veröffentlichungen laufen damit nahezu durchgehend weiter.
Am 6. November 2026 erschienen Blu-rays unter anderem zu Preisen von 29,99, 18,99 und 35,99 Euro.
Günstigere Titel desselben Tages kosteten 16,99, 21,99 und 14,99 Euro.
Premium-Editionen lagen bei 149,99 und 196,99 Euro.
Am 5. November 2026 kostete eine weitere Blu-ray 35,99 Euro.
Wer bleibt bei dem Trend außen vor?
International gibt es Hinweise auf eine jüngere Käuferschicht: Die sogenannte League of Filmmakers meldete einen Zuwachs jüngerer Käufer von etwa 15 Prozent. Für den deutschen Markt sieht Norbert Karg bislang jedoch keine vergleichbare Wende. Hierzulande bleibt die Zielgruppe für Spezialeditionen also vorerst dieselbe wie bisher, jüngere Sammler spielen bei den Verkaufszahlen noch keine große Rolle.
Auf der Veröffentlichungsseite hat sich das Geschäft zudem verschoben: Das Boutique-Label Criterion übernahm die physischen Veröffentlichungen von ursprünglichen Netflix-Produktionen wie „Roma“, „The Irishman“ Und „Marriage Story“, die sonst nie auf Disc erschienen wären.
Was Sammler jetzt einplanen sollten
Wer auf physische Spiele oder Filme setzt, hat noch ein klares Zeitfenster: Sony will ab 2028 keine neuen Spiele mehr auf Disc produzieren, die PlayStation 5 bleibt bis dahin das letzte verbreitete Abspielgerät des Herstellers.
Bei Filmen lohnt sich vor allem ein Blick auf Steelbook- und 4K-Editionen kleinerer Label wie Criterion, bevor auch dieses Segment weiter schrumpft. Wer günstig kaufen will, sollte dagegen schnell zugreifen, solange Standardausgaben noch unter 20 Euro erhältlich sind.
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