Nach den kräftigen Lohnerhöhungen der vergangenen Jahre deutet sich eine Abkühlung an: Die Deutsche Bundesbank rechnet für das letzte Quartal 2025 nur noch mit einem Lohnwachstum von rund 4 % gegenüber dem Vorjahr. Das wäre deutlich weniger als die 6,2 %, die die Tarifverdienste von Januar bis August 2024 im Schnitt noch zulegten. Für viele Beschäftigte bedeutet das: Die Zeit der großen Gehaltssprünge zum Ausgleich der Inflation geht zu Ende.
Zur Einordnung: Der langfristige Mittelwert des Tarifverdienstanstiegs lag zwischen 1991 und 2023 bei lediglich 2,6 % pro Jahr. Die Bundesbank sieht das aktuelle Lohnwachstum also auf dem Weg zurück zu diesem niedrigeren Normalniveau. Wer in den vergangenen zwei Jahren an kräftige Erhöhungen gewöhnt war, muss sich demnach auf deutlich magerere Jahre einstellen, bevor absehbar wieder spürbare Zuwächse möglich erscheinen.
Wer von der Abkühlung besonders betroffen ist
Laut Bundesbank sind mehr als 6 Millionen Beschäftigte in Branchen tätig, deren Tarifverträge bis Jahresende 2024 ausliefen – vor allem in Metall-, Elektro- und Dienstleistungsbranchen. Diese Beschäftigten verhandeln also gerade neu, zu einem Zeitpunkt, an dem die Lohndynamik laut Bundesbank bereits nachlässt.
Im Verarbeitenden Gewerbe bleibt zudem eine größere Lücke bestehen: Dort wurden Reallohnverluste aus der Inflationsphase bislang nicht vollständig aufgeholt, während der Dienstleistungssektor schon weiter ist.
Hinzu kommt ein Sondereffekt: Inflationsausgleichsprämien, die Unternehmen bis Ende 2024 steuerfrei auszahlen konnten, fließen 2025 nicht mehr in die Tarifstatistik ein. Laut Bundesbank kehrt sich ihr Beitrag zu den Tarifverdienstanhebungen in der ersten Jahreshälfte 2025 sogar ins Negative um – ein weiterer Grund, warum die ausgewiesenen Lohnzuwächse rechnerisch schrumpfen, ohne dass sich am Geldbeutel sofort etwas Spürbares ändert.
Was Kollektivverträge in Österreich aktuell bringen
Während in Deutschland die große Abkühlung erst bevorsteht, zeigen aktuelle Abschlüsse des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, wie unterschiedlich Lohnerhöhungen je Branche ausfallen. Die Spannweite reicht von kleinen Prozentsätzen bis zu deutlich höheren Erhöhungen für einzelne Berufsgruppen:
In der Metallindustrie steigen die Ist-Löhne um 1,9 %, die kollektivvertraglichen Mindestentgelte um 2,1 %.
Rund 250.000 Beschäftigte der Tourismusbranche erhalten ab Oktober im Schnitt 3,02 % mehr, Lehrlinge sogar 3,44 %.
In der Elektro- und Elektronikindustrie steigen die Mindestlöhne rückwirkend ab Mai um 3 %, die Ist-Einkommen um bis zu 2,7 %, betroffen sind etwa 60.000 Beschäftigte.
Arbeiter in Fußpflege, Kosmetik und Massage erhalten ab Juli ein Plus von 5,1 %, der Einstiegslohn für Hilfspersonal erreicht damit erstmals 2.000 Euro.
Die Beispiele zeigen: Kollektivvertragliche Erhöhungen bewegen sich meist zwischen 2 % und gut 5 %, deutlich unter den deutschen Tarifsteigerungen der vergangenen Jahre. Für Beschäftigte in Deutschland dürfte sich das Lohnwachstum künftig diesem Niveau annähern.
Was das für die Kaufkraft bedeutet
Gemessen am Reallohn, also dem Verhältnis von Löhnen zu Preisen, hat sich die Lage laut Bundesbank in Deutschland bereits gebessert: Die Reallohnverluste der Inflationsphase wurden größtenteils aufgeholt, besonders im Dienstleistungssektor. Über einen längeren Zeitraum betrachtet zeigt sich laut DIW Berlin sogar ein deutliches Plus: Die Reallöhne sind in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um 15 % gestiegen.
Besonders stark legten die Erwerbseinkommen der untersten zehn Prozent zu demnach um 50 % seit 2015 – ein Effekt, der eng mit der Einführung des Mindestlohns zusammenhängt, der von 8,50 Euro im Jahr 2015 auf aktuell 12,82 Euro gestiegen ist und laut Ankündigung bis 2027 auf 14,60 Euro steigen soll.
Diese langfristige Entwicklung ändert jedoch nichts an der kurzfristigen Abkühlung: Solange die Tarifabschlüsse sich dem langjährigen Mittel von 2,6 % annähern, bleibt das Plus auf dem Gehaltszettel überschaubar. Wer in den kommenden Jahren mit spürbaren Erhöhungen plant, sollte laufende Tarifverhandlungen in der eigenen Branche im Blick behalten, da die Spannbreite zwischen den Sektoren erheblich bleibt.
Im September 2026 verteuerten sich Waren im Großhandel um 8,7 % gegenüber dem Vorjahr – ein Tempo, das zuletzt vor mehr als drei Jahren gemessen wurde.
Wer bei Schnee oder Glatteis ohne Winterreifen fährt, riskiert in Deutschland 60 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg – und im Unfallfall sogar den Versicherungsschutz.