Sponsorengelder für den Breitensport werden knapper, Werbebudgets wandern ins Digitale, und viele Vereine verbringen mehr Zeit mit der Akquise als mit dem Sport. Das Sharety Padel Tennis Vereinsnetzwerk aus Freilassing hat daraus eine Konsequenz gezogen, die im deutschsprachigen Vereinswesen selten ist: Die Finanzierung hängt nicht an Zusagen Dritter, sondern am laufenden Betrieb. Jede gebuchte Stunde auf der Anlage ist zugleich ein Beitrag zu den Ausbildungsprojekten des gemeinnützigen Vereins.
Wer einen Padelplatz buchen will, wird Fördermitglied
Der Grundgedanke ist schnell erklärt und trotzdem ungewöhnlich: Wer beim Sharety Padel Tennis Vereinsnetzwerk einen Padelplatz buchen möchte, muss keinen Aufnahmeantrag stellen und keinen Jahresbeitrag überweisen. Mit der Buchung selbst ist die Person Fördermitglied. Der Erlös bleibt im Verein und finanziert die Projekte in der Region sowie in Kapstadt. Damit entfällt jene Hürde, an der Spendenaufrufe im Sport regelmäßig scheitern: Niemand muss zusätzlich zum Freizeitvergnügen eine eigene Spendenentscheidung treffen. Gründerin Ingrid Richter, staatlich geprüfte Tennislehrerin und A-Trainerin, formuliert das Prinzip nüchtern: „Jeder spendet automatisch, wenn er bei uns bucht.“ Für eine gemeinnützige Struktur bedeutet das planbare, wiederkehrende Mittel statt einzelner Zuwendungen, die jedes Jahr neu erkämpft werden müssen.
Aufbau ohne Eigenkapital: Investor, Kooperationspartner, Werbeflächen
Bemerkenswert ist weniger die Idee als ihre Umsetzung. Richter startete ohne Budget für eine eigene Anlage und ohne bestehenden Mitgliederstamm: zwei Voraussetzungen, die normalerweise über Erfolg oder Scheitern eines Sportprojekts entscheiden. Sie suchte zunächst einen Investor für die Plätze, gründete anschließend den Verein und schloss die verbliebenen Lücken über Werbepartner, Werbeflächen an der Anlage und eine Reihe von Kooperationspartnern. Padel-Sponsoring funktioniert in diesem Modell nicht als Bitte um Unterstützung, sondern als Gegenleistung: Unternehmen erhalten Sichtbarkeit bei einer Zielgruppe zwischen acht und sechzig Jahren, die regelmäßig auf die Anlage kommt. Dass daraus innerhalb weniger Jahre ein Standort mit Ligabetrieb wurde, spricht für die Tragfähigkeit dieser Mischkalkulation.
Firmenturniere, Unternehmer Cup und Jahresabos als zweite Säule
Die zweite Ertragssäule sind Unternehmen. Firmenturniere, der Unternehmer Cup und Padel-Teambuilding-Formate bringen an einem Tag mehr Frequenz auf die Plätze als eine ganze Woche Einzelbuchungen und sie erschließen Betriebe, die es mit der Bewegung ihrer Belegschaft ernst meinen. Einige Firmen buchen Jahresabos, damit Mitarbeitende nicht nur einmal im Jahr zum Sport kommen. Padel eignet sich dafür aus einem praktischen Grund: Gespielt wird ausschließlich im Doppel, die Banden halten den Ball im Spiel, und Einsteiger können nach kurzer Zeit mithalten. Richter berichtet von guten Tennisspielern, die nach lediglich zwei Padel-Einheiten ein Starter-Ranglistenturnier gewannen – ein Hinweis darauf, wie schnell sich Fortschritte einstellen und warum gemischte Gruppen ohne Vorerfahrung funktionieren.
Von Freilassing nach Kapstadt: wohin die Mittel fließen
Der Vorbehalt, dass bei Charity-Modellen niemand genau wisse, wo das Geld lande, begegnet Richter regelmäßig. Ihre Antwort ist die Konkretheit der Projekte. In den Townships Kapstadts liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei über 75 Prozent, Ausbildung ist dort weder kostenlos noch selbstverständlich. Gefördert werden junge Menschen mit einem klaren Berufsziel im Sport als künftige Coaches oder, über das Kochprojekt Cooktastic, in Küche, Bäckerei und Hotellerie. Mit dem Rotary Club Salzburg International läuft diese Zusammenarbeit seit vier Jahren, Richter verantwortet das Projekt selbst. Die Verbindung zwischen einem Padelplatz im Berchtesgadener Land und einer Ausbildungsküche am Kap erscheint auf den ersten Blick ungewöhnlich, folgt aber einer einfachen Logik: Wo Sport ohnehin Geld bewegt, lässt sich dieses Geld auch lenken.
Padel-Vereinsnetzwerk statt Einzelanlage
Der Name deutet an, wohin die Entwicklung geht. Als Padel-Vereinsnetzwerk öffnet sich die Anlage bewusst für Clubs aus der Umgebung, die eine Padelabteilung gründen wollen, aber über keine eigenen Plätze verfügen. Das ist ein Angebot, das besonders Tennisvereine ohne Halle im Winter interessiert. Drei weitere Standorte in Oberbayern sind in Planung, um Training, Turniere und Ligabetrieb wetterunabhängig terminieren zu können. Spielerinnen und Spieler kommen längst aus Salzburg und Burgkirchen nach Freilassing.
Wer Padel-Events, Turniere, Werbeflächen oder einfach eine Spielstunde buchen möchte, findet alle Informationen unter www.sharety-padel.org.
Impressum:
Sharety Padel Tennis Vereinsnetzwerk e.V
Ingrid Richter
83395 Freilassing
Tel.: (0160) 6617379
E-Mail: ingrid@sharety-padel.org
Website: www.sharety-padel.org