Wer Aktien im Depot liegen hat, lässt nach Einschätzung von Finanzexpertin Anne Schwedt oft Potenzial ungenutzt. Mit der Covered-Call-Strategie verkaufen Anleger Kaufoptionen auf Aktien, die sie bereits besitzen, und erhalten dafür sofort eine Prämie. Eine Option bezieht sich dabei in der Regel auf 100 Aktien.
Die Prämie fließt unabhängig davon, ob der Kurs steigt, fällt oder seitwärts läuft. Bleibt der Kurs unter dem vereinbarten Ausübungspreis, behält der Anleger sowohl die Aktien als auch die Prämie. Steigt der Kurs darüber und wird die Option ausgeübt, verkauft er die Aktien zum festgelegten Preis und behält die Prämie zusätzlich.
Zehn Jahre New York prägen Anne Schwedts Blick auf den Options-Markt
Schwedt lebt und arbeitet seit über zehn Jahren in New York und hat einen Master in Business & Finance von einer Universität in London. Ihr Zugang zur Strategie orientiert sich insbesondere am US-Markt, da dort ausreichend liquide Optionsmärkte vorhanden sind. Covered Calls sind an der Wall Street seit Jahrzehnten Standard – für viele deutschsprachige Anleger sind sie dagegen noch wenig bekannt.
Voraussetzung für die Strategie ist ein bestehendes Aktienvermögen: Ohne Aktien im Depot lässt sich kein Covered Call verkaufen. Schwedt empfiehlt, die Strategie nur auf etablierte Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen anzuwenden, statt auf besonders schwankungsanfällige Werte zu setzen.
15.000 bis 25.000 Euro als Richtwert für mehrere Positionen
Als Kapitalbasis nennt Schwedt einen Richtwert von etwa 15.000 bis 25.000 Euro, um mehrere Positionen aufzubauen und Risiken über verschiedene Werte zu streuen. Eine Diversifikation über mehrere Sektoren sei wichtig, damit ein einzelner Branchenabschwung nicht das gesamte Depot trifft.
Die Prämie ist dabei nicht risikolos: Bei deutlich fallenden Kursen bleibt das Kursrisiko bestehen, es wird durch die Prämie lediglich gemindert, nicht aufgehoben. Schwedt warnt zudem ausdrücklich davor, Kaufoptionen zu verkaufen, ohne die entsprechenden Aktien im Depot zu halten – aus einem gedeckten würde sonst ein ungedecktes und damit deutlich riskanteres Geschäft.
Warum eine hohe Prämie allein kein gutes Zeichen ist
Eine attraktive Optionsprämie allein sollte nach Schwedts Einschätzung nicht der Grund für den Kauf einer Aktie sein. Hohe Prämien seien häufig Ausdruck höherer Unsicherheit bei der zugrunde liegenden Aktie und sollten die Qualität des Unternehmens nicht in den Hintergrund rücken.
Auch die Wahl des Ausübungspreises verlangt Augenmaß: Ein zu niedriger Verkaufspreis erhöht zwar die Prämie, gleichzeitig aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Anleger seine Aktien abgeben muss und nicht mehr von weiteren Kurssteigerungen profitiert.
- Die Strategie erfordert ein bestehendes Aktienvermögen als Basis.
- Ein Kapitalpuffer von rund 15.000 bis 25.000 Euro erlaubt Streuung über mehrere Positionen.
- Diversifikation über mehrere Sektoren schützt vor Branchenabschwüngen.
- Wer die Mechanik und Verpflichtungen nicht versteht, sollte laut Schwedt kein echtes Geld einsetzen.
Was Anleger aus Schwedts Strategie lernen können
- Prämien sollen Nebeneinkünfte aus bereits vorhandenen Aktien schaffen, nicht Spekulation ersetzen.
- Die Qualität der Aktie zählt mehr als die Höhe der Prämie.
- Eigenes Verständnis der Mechanik schützt besser als das Kopieren fremder Trades.
- Breite Streuung über Sektoren mindert das Risiko einzelner Rückschläge.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.