Nach dem bislang größten Diebstahl bei einer Kryptobörse haben Kunden von Binance innerhalb weniger Tage netto 3,6 Milliarden Dollar abgezogen. Damit reagierten sie auf den Hackerangriff Ende Oktober 2026, bei dem Kriminelle zuvor Kundenguthaben entwendet hatten.
Die Nutzer hoben insgesamt 4,6 Milliarden Dollar ab, während gleichzeitig 1 Milliarde Dollar an Neueinzahlungen zuflossen. Der Abfluss entspricht rund 2,1 % der 171 Milliarden Dollar, die Binance zum Zeitpunkt des Vorfalls an Kundenvermögen verwaltete.
Bei dem Hack hatten Angreifer rund 6,3 Milliarden Dollar aus Kundenkonten entwendet. Das FBI bestätigte, dass die nordkoreanische Gruppe TraderTraitor für den Diebstahl verantwortlich ist. Die Ermittler ordnen die Gruppe der Lazarus-Organisation zu, die bereits 2014 mit dem Hackerangriff auf Sony Pictures in Verbindung gebracht wurde.
Der Ablauf des Angriffs
Binance-Chef Richard Teng beschrieb die Operation als komplex: Die Angreifer nutzten ein kompromittiertes Laptop und Schadsoftware, um Spuren zu verwischen. Laut FBI wandelten Mitglieder von TraderTraitor einen Teil der erbeuteten Werte in Ethereum um, um die Herkunft der Gelder zu verschleiern.
Die Blockchain-Analysefirma Elliptic konnte bis Sonntag einen Teil der Beute einfrieren oder sicherstellen. Nach ihren Angaben betraf dies rund 2,85 Milliarden Dollar, also etwa 44 % der gestohlenen Summe. Rund 3,25 Milliarden Dollar blieben demnach weiterhin unter Kontrolle der Täter.
Rückkauf der Beute
Binance erklärte, bereits 90 % des gestohlenen Betrags wieder beschafft zu haben. Die übrigen 10 % der Tokens gelten als weniger liquide, ihr Rückkauf könnte dem Unternehmen zufolge länger dauern. Richard Teng sagte zu, auch diesen Rest vollständig zu ersetzen.
Für die Deckung der Verluste stellte Binance rund 6,34 Milliarden Dollar an Unternehmensmitteln bereit. Dafür griff die Börse auf einen eigenen Sicherungsfonds von 1 Milliarde Dollar sowie auf Versicherungsfonds für Futures-Geschäfte und die eigene Unternehmenskasse zurück. Binance versichert, dass Kunden aus dem Hackerangriff keine Verluste tragen müssen.
Folgen für Anleger
Nach Bekanntwerden des Hacks fiel der Bitcoin-Kurs um knapp 5 %. Binance öffnete die Auszahlungen anschließend in Phasen wieder: In der ersten Stufe waren Abhebungen für 15 Netzwerke und Vermögenswerte möglich, darunter Ethereum und mehrere Token-Standards. Genau in diesem Zeitfenster zogen viele Kunden ihr Geld ab.
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