Der Grundwasserstand in Österreich ist laut einer Auswertung von Greenpeace Ende Mai 2026 an 86 % der untersuchten Messstellen niedrig oder sehr niedrig. Bei jeder vierten Messstelle war der Stand so tief wie seit Beginn der Messungen zu diesem Zeitpunkt im Jahr noch nie. Besonders betroffen sind Kärnten, Salzburg und Oberösterreich.
Greenpeace führt die Entwicklung auf anhaltende Trockenheit zurück und fordert von der Bundesregierung wasserpolitische Maßnahmen, die bislang nicht umgesetzt sind.
Wie stark ist der Grundwasserstand in Österreich betroffen?
Die Umweltorganisation hat für ihre Analyse 224 Grundwasser-Messstellen im gesamten Bundesgebiet ausgewertet. Das Ergebnis fällt je nach Region unterschiedlich dramatisch aus, in manchen Bundesländern zeigt praktisch jede Messstelle einen kritischen Wert.
In Kärnten liegt an jeder einzelnen ausgewerteten Messstelle ein niedriger oder sehr niedriger Wasserstand vor.
In Salzburg ist das Grundwasser an drei Vierteln der Messstellen so niedrig wie zu diesem Zeitpunkt im Jahr in der gesamten Messgeschichte noch nicht.
In Oberösterreich zeigt jede zweite Messstelle einen Rekordtiefstand für diesen Zeitpunkt im Jahr.
Warum ist der Wasserstand so niedrig?
Als Ursache nennt Greenpeace anhaltenden Niederschlagsmangel. Der Mai 2026 fiel im österreichweiten Schnitt um 30 % zu trocken aus. Im Jahr 2025 hatten neun von zwölf Monaten zu wenig Niederschlag, sodass sich die Grundwasserreserven über längere Zeit nicht erholen konnten.
Diese Trockenheit trifft laut Greenpeace auf eine Situation, in der Industrie und Landwirtschaft Grundwasser ohne systematische Erfassung entnehmen. Die Organisation sieht darin einen zusätzlichen Belastungsfaktor für die ohnehin angespannten Reserven.
Was fordert Greenpeace jetzt von der Politik?
Greenpeace verlangt die Einführung eines Wasserentnahme-Registers, mit dem der tatsächliche Verbrauch durch Industrie und Landwirtschaft erfasst werden soll. Ein solches Register wurde von der Bundesregierung bereits zugesagt, ist bislang aber nicht umgesetzt.
Zusätzlich fordert die Organisation eine Wasserabgabe für industrielle Großverbraucher. Die Begründung: Unternehmen würden mit der gemeinsamen Ressource Grundwasser Gewinne erwirtschaften, ohne bislang dafür zu zahlen.
Ob und wann das angekündigte Register kommt, ist offen. Bis dahin bleibt die Datenlage zum tatsächlichen Wasserverbrauch von Industrie und Landwirtschaft in Österreich lückenhaft.
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