Ab dem Jahreswechsel 2026/2027 müssen Haushalte in Deutschland mit höheren Netzentgelten für Strom und Gas rechnen. Die Stromnetzentgelte steigen bundesweit im Durchschnitt um 1,9 %, wie aus einer Untersuchung des Vergleichsportals Verivox hervorgeht. Ein Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden muss demnach mit Mehrkosten von rund 8 Euro im Jahr rechnen.
Warum die Preise steigen
Hintergrund der Erhöhung ist eine Kürzung des staatlichen Zuschusses zu den Übertragungsnetzkosten. Der Bund stellt dafür 2027 noch 5,525 Milliarden Euro bereit, wie aus den Daten des Portals stromvermittlung.de hervorgeht – nach 6,5 Milliarden Euro im Jahr 2026.
Der Zuschuss soll laut dieser Quelle von 2027 bis 2029 auf diesem Niveau bleiben. Die geringere staatliche Unterstützung gilt als einer der Hauptgründe für die steigenden Netzentgelte. Auf der Höchst- und Umspannungsebene steigt das bundeseinheitliche Netzentgelt demnach von 2,86 Cent je Kilowattstunde im Jahr 2026 auf 3,54 Cent im Jahr 2027.
Regionale Unterschiede
Nicht überall ziehen die Preise gleich stark an. Laut der Untersuchung von Verivox steigen die Stromnetzentgelte in den alten Bundesländern im Schnitt um rund 10 Euro im Jahr, während sie in den neuen Bundesländern um etwa 3 Euro sinken. Am stärksten steigen die Stromnetzgebühren demnach in Hamburg.
Auch beim Gas geht der Trend in eine ähnliche Richtung: Bundesweit ziehen die Gasnetzentgelte 2027 um 3 % an, wodurch eine Familie im Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden Gasverbrauch im Jahr mit etwa 19 Euro mehr belastet wird. Überdurchschnittlich stark steigen die Gasnetzentgelte in Berlin, Hamburg, Rheinland-Pfalz und Brandenburg, während sie in Sachsen und Thüringen leicht sinken.
Was das für die Rechnung bedeutet
Netzentgelte machen beim Strom etwa ein Viertel des Gesamtpreises aus, beim Gas rund ein Fünftel, wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft mitteilt.
Wie stark sich eine Erhöhung der Übertragungsnetzentgelte tatsächlich auf der Rechnung bemerkbar macht, hängt laut stromvermittlung.de vom jeweiligen Netzgebiet, vom Anbieter und vom Tarif ab – eine Erhöhung auf Übertragungsebene führt demnach nicht automatisch zu einer proportionalen Steigerung der Haushaltsrechnung.
Verivox beziffert die zu erwartende Mehrbelastung für einen typischen Haushalt mit 2.800 Kilowattstunden Jahresverbrauch auf ungefähr 7 Euro jährlich, bei einem Verbrauch von 1.500 Kilowattstunden liegt der Aufschlag bei etwa 4 Euro.
Rechenbeispiel
Ein Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden Stromverbrauch zahlt laut Verivox durch die steigenden Netzentgelte rund 8 bis 10 Euro mehr im Jahr. Rechnet man die gestiegenen Gasnetzentgelte für eine Familie mit 20.000 Kilowattstunden Verbrauch dazu, kommen weitere 19 Euro hinzu – macht zusammen rund 27 bis 29 Euro Mehrbelastung pro Jahr allein durch die Netzentgelte beider Energieträger, sofern Strom und Gas aus demselben Haushalt bezogen werden.
Was zusätzlich auf Gaskunden zukommt
Stärker ins Gewicht fallen dürften bei Gas die gestiegenen Großhandelspreise.
Die gestiegenen Einkaufskosten werden die Gasanbieter zum Jahreswechsel voraussichtlich an sämtliche Kunden durchreichen; nach Einschätzung von Storck könnten die Tarife dadurch je nach bisherigem Vertrag um 10 bis 20 % teurer werden.
Was Preisgarantien abdecken
Wer eine Preisgarantie hat, ist nicht zwingend vor den Mehrkosten geschützt. Manche Preisgarantien decken demnach nicht alle Preisbestandteile ab: Netzentgelte, Steuern, Umlagen und Abgaben können je nach Vertrag von der Garantie ausgenommen sein. Ob eine Preiserhöhung tatsächlich an Kunden weitergegeben werden darf, regeln demnach die jeweiligen Tarifbedingungen des Vertrags.