Gaspreise steigen weiter an, noch bevor der Winter richtig begonnen hat: Gas kostet derzeit knapp 20 % mehr als vor einem Jahr. Grund dafür sind kräftig gestiegene Großhandelspreise. Verivox-Chef Daniel Puschmann rechnet deshalb mit weiteren flächendeckenden Erhöhungen, die auch Bestandskunden treffen werden.
Wer in diesen Wochen die Jahresabrechnung seines Gasanbieters öffnet, blickt häufig auf eine höhere Nachzahlung oder einen höheren monatlichen Abschlag, umgerechnet rund 13 Cent je Kilowattstunde. Viele Haushalte spüren die gestiegenen Kosten damit erst mit Verzögerung, obwohl sich die Preise am Großhandelsmarkt schon seit Monaten verändert haben.
Großhandelspreise haben sich seit Februar verdreifacht
Im Februar 2026 kostete eine Megawattstunde Gas noch 32 Euro, aktuell liegt der Preis bei 96 Euro. Damit haben sich die Großhandelspreise binnen weniger Monate mehr als verdreifacht, ein Plus von rund 200 % gegenüber dem Vorjahr. Puschmann erwartet, dass diese Entwicklung zeitversetzt in den Haushaltsverträgen ankommt.
Als Grund nennt der Verivox-Chef den harten Verteilungskampf um Gas in Europa: Weil es vor allem im Nahen Osten zu Versorgungsstörungen kommt, buhlen europäische Abnehmer derzeit mit Ländern wie Japan um die knapper werdenden Mengen. Das treibt die Nachfrage und damit den Preis.
Warum ein akuter Engpass trotzdem nicht droht
Trotz der hohen Preise sieht Puschmann keinen unmittelbaren Versorgungsengpass bei Gas. Die Verfügbarkeit sei in der aktuellen Lage nicht das Problem, entscheidend sei allein der Preis. Damit unterscheide sich die Situation deutlich von der Energiekrise des Jahres 2022.
Die deutschen Gasspeicher sind derzeit allerdings vergleichsweise gering gefüllt, wie n-tv berichtet. Das verschärft die Lage zusätzlich, auch wenn eine akute Mangelsituation nach Einschätzung von Puschmann nicht bevorsteht.
Kündigungsfristen bestimmen, wie schnell Kunden reagieren können
Für viele Haushalte stellt sich damit die Frage, wie flexibel ihr bestehender Gasvertrag ist. Bei jüngeren Vertragsabschlüssen bleibt Kunden nach Ende der Mindestlaufzeit meist nur die Option, monatlich zu kündigen. Ältere Verträge dagegen verlängern sich häufig automatisch um 12 oder 24 Monate, wenn niemand rechtzeitig kündigt.
Neuere Gasverträge lassen sich nach der Mindestlaufzeit meist nur noch monatlich kündigen.
Ältere Verträge verlängern sich oft automatisch um 12 oder 24 Monate.
Wer wechseln will, sollte die Kündigungsfrist im eigenen Vertrag vor Jahresende prüfen.
Rechenbeispiel: Was eine niedrigere Stromsteuer bringen würde
Puschmann fordert von der Bundesregierung mehr Aufmerksamkeit für die steigenden Strom- und Gaskosten. Als ein mögliches Entlastungsinstrument nennt er eine Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau.
Für einen Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch würde das nach seinen Angaben rund 90 Euro im Jahr bringen. Bei einem Paar mit 2.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch wären es rund 60 Euro. Beide Beträge beziehen sich auf den jeweils genannten Jahresverbrauch und sind damit nicht direkt miteinander vergleichbar.
Für Gaskunden bleibt vorerst vor allem eines wichtig: den eigenen Vertrag und dessen Kündigungsfrist zu kennen, bevor sich Preiserhöhungen in der nächsten Abrechnung niederschlagen.
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