In Österreich verdienen Frauen in Vollzeitbeschäftigung im Schnitt deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Deshalb fiel der Equal Pay Day heuer erst auf den 5. November 2026, jenen Tag, ab dem Frauen statistisch das Jahresgehalt eines Mannes erreicht haben. Auffällig ist: Selbst in gut bezahlten MINT-Berufen schließt sich die Lücke nicht dauerhaft.
Drittgrößte Lücke der EU
Nach Angaben von Statistik Austria zählt der österreichische Gender Pay Gap zu den höchsten in Europa. Nur Estland und Tschechien weisen eine noch größere Einkommensungleichheit zwischen Männern und Frauen auf. Nach der EU-Berechnungsmethode, die den Bruttostundenlohn vergleicht, lag der Unterschied 2024 bei 17,6 %.
Dass sich daran nur langsam etwas ändert, zeigt ein Blick zurück: 2016 lag der Equal Pay Day noch am 11. Oktober. In zehn Jahren hat sich der Tag also um weniger als einen Monat nach hinten verschoben. Bleibt das Tempo so niedrig, dauert es nach dieser Rechnung noch mehrere Jahrzehnte bis zur Einkommensgerechtigkeit.
Rechenbeispiel
Woher die 57 Tage stammen, lässt sich leicht nachrechnen: 15,5 % eines Jahres mit 365 Tagen ergeben rund 56,6 Tage, aufgerundet also die kolportierten 57 Tage, an denen Frauen statistisch unbezahlt arbeiten. Noch deutlicher wird der Unterschied bei Teilzeitjobs: Frauen verdienen dort im Schnitt 15,2 Euro pro Stunde, Männer bei gleicher Tätigkeit 18,4 Euro. Das sind 3,2 Euro Unterschied pro einzelner Arbeitsstunde.
MINT schützt nicht vor der Lücke
Eine Auswertung des Momentum Instituts zeigt, dass auch Vollzeitarbeit und technische Berufe Frauen nicht vor der Lohnlücke bewahren. Historisch war das nicht immer so: In den 1960er-Jahren arbeiteten in der IT-Branche vor allem Frauen als Computer-Programmiererinnen.
Beim Lehrerberuf verlief die Entwicklung umgekehrt: Er war in Österreich historisch männlich geprägt, bis sich ab den 1980er-Jahren die Geschlechterzusammensetzung deutlich veränderte und der Frauenanteil stieg. Eine US-amerikanische Studie liefert dazu ein Muster: Sobald in einem Beruf mehr als 60 % Frauen arbeiten, sinken die Gehälter in diesem Beruf insgesamt.
Dabei studieren an österreichischen Hochschulen inzwischen mehr Frauen als Männer, seit den 2000er-Jahren ist das so. Im Wintersemester 2025/26 lag der Frauenanteil bei 56,2 %. Gleichzeitig ist die Akademikerarbeitslosigkeit zuletzt deutlich gestiegen.
Warum Frauenberufe strukturell benachteiligt sind
Insgesamt zählt die Ökonomin Sophie Achleitner vom Momentum Institut 23 Frauenberufe, darunter Pflege und Handel.
Selbst in männlich dominierten Feldern werden Frauen laut den Analysen deutlich schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Wer seit den 1970er-Jahren in klassische Männerberufe eingestiegen ist, erlebte dennoch im Lauf der Zeit eine Lohnabwertung des gesamten Berufsfelds. Nur in gemischten Berufsgruppen ist der Einkommensunterschied laut Achleitner bereits spürbar ausgeglichener.
Teilzeit und unbezahlte Arbeit
Mehr als jede zweite Frau in Österreich arbeitet Teilzeit, bei Männern sind es nur 13,7 %. Dazu kommt unbezahlte Arbeit im Haushalt: Frauen leisten im Schnitt rund 30 Stunden pro Woche an Hausarbeit, Kinderbetreuung und Pflege, Männer 17,5 Stunden. Umgerechnet auf den Tag sind das 4,3 Stunden bei Frauen und 2,5 Stunden bei Männern.
Betreuungspflichten sind für viele Frauen auch der Grund, überhaupt in Teilzeit zu arbeiten: 40,1 % der Frauen gaben das 2024 als Grund an, bei Männern waren es nur 7,2 %.
Beim AMS Niederösterreich meldeten sich Ende Oktober deutlich mehr ältere Arbeitnehmer arbeitslos als im Vorjahr, Frauen über 50 traf es noch stärker als Männer derselben Altersgruppe.
Ab Jänner 2027 kostet jedes Paket in Österreich 2,40 Euro mehr, doch Fachleute bezweifeln, dass chinesische Plattformen die Abgabe überhaupt korrekt abführen.