In mehreren deutschen Supermärkten haben Hacker die Steuerung der Kühlanlagen manipuliert und die Temperatur aus der Ferne hochgestellt. Am härtesten erwischte es einen Markt in Lilienthal bei Bremen: Laut Daniel Breiding summierte sich der Schaden des Betreibers dort auf mehr als 360.000 Euro, nachdem die Kühlgeräte auf bis zu 30 Grad hochgeheizt waren. Betroffen waren außerdem Supermärkte in Wuppertal, in Wetter bei Hagen und im Münsterland.
Die Angriffe richteten sich ursprünglich gar nicht gegen die Supermärkte direkt, sondern gegen den Fernwartungsdienst, über den die Kühlanlagen gesteuert werden. Wer an diesem Punkt ansetzt, kann theoretisch gleich mehrere Filialen verschiedener Händler auf einmal treffen.
Welche Supermärkte sind betroffen?
Auch ein Markt der Arbeiterwohlfahrt in Wetter-Volmarstein geriet neben den Standorten in Wuppertal, Wetter bei Hagen und im Münsterland ins Visier der Cyberkriminellen. Wer dort am Morgen vor der Kühltheke steht, bekommt die Folgen direkt zu spüren: Fleisch, Wurst, Käse und Milchprodukte, die über Nacht zu warm geworden sind, dürfen nicht mehr verkauft werden.
Lilienthal bei Bremen: Schaden über 360.000 Euro, Kühlanlagen auf bis zu 30 Grad erhitzt.
Wuppertal: Kühlanlagen ebenfalls aus der Ferne manipuliert.
Wetter bei Hagen: Supermarkt betroffen, Details zum Schaden liegen nicht vor.
Wetter-Volmarstein: AWO-Supermarkt Ziel der Cyberattacke.
Wie kam es zu den Ausfällen?
Moderne Supermärkte überwachen Temperatur, Energieverbrauch und Betriebszustand ihrer Kühlanlagen meist zentral über digitale Systeme. Technische Dienstleister können diese Anlagen teilweise auch aus der Ferne steuern und konfigurieren – genau diesen Zugang nutzten die Angreifer aus, um die Temperatur hochzuschrauben.
Eine gesetzliche Pflicht, Kühlanlagen überhaupt ans Internet anzubinden, gibt es nicht: Die europäische Lebensmittelhygieneverordnung verlangt zwar geeignete Temperaturbedingungen, schreibt aber keine Online-Anbindung vor.
Auch aus Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland, Finnland und den Niederlanden wurden bereits vergleichbare Eingriffe in Kühlsysteme bekannt. Im Oktober 2026 gab es zudem einen großangelegten Angriff auf französische Lebensmittelhandelsketten, der sich ebenfalls gegen einen Technik-Dienstleister richtete; die Cyberkriminalitäts-Abteilung der Staatsanwaltschaft Paris übernahm damals die Ermittlungen.
Anders als ein Angriff auf Bürocomputer verursacht die Manipulation einer Kühlsteuerung sofort einen physischen Schaden an der Ware – es gibt keine Möglichkeit, das Problem später am Bildschirm zu beheben.
Wer ermittelt und wie reagiert der Handel?
Zu den Vorfällen in Niedersachsen bestätigte die Zentrale Kriminalinspektion Oldenburg Ermittlungen, weitere Fälle werden derzeit im Landkreis Diepholz untersucht. Vergleichbare Vorfälle sind außerdem aus Nordrhein-Westfalen gemeldet worden.
Zugleich warnt er vor künftigen, KI-gestützten Angriffen auf digitale Infrastruktur und betont, dass es im Cyberumfeld keine hundertprozentige Sicherheit gebe.
Ob die einzelnen Angriffe in Deutschland und den anderen europäischen Ländern zusammenhängen oder dieselbe Sicherheitslücke ausnutzen, ist bislang nicht geklärt. Die Ermittlungen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen laufen weiter, während der Bundesdigitalminister an strengeren Vorgaben für die Betriebstechnik arbeitet.
Ein iranischer Fernsehsender meldet, vier Tanker seien in der Meerenge durch Minen zerstört worden – eine Bestätigung fehlt bislang, doch die Route transportiert einen Großteil des weltweit gehandelten Öls.
In Reisbach, Lilienthal und Wetter-Volmarstein mussten Supermärkte große Mengen Lebensmittel entsorgen, nachdem Hacker die Kühltechnik auf bis zu 50 Grad hochgeheizt hatten.