Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat einen neuen Kinderbetreuungsatlas veröffentlicht und damit die Kinderbetreuung in OÖ genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Gemeinden, von der Bestnote 1A bis zur kompletten Verweigerung der Datenlieferung.
Wer gerade einen Betreuungsplatz für ein Kleinkind sucht oder seinen Nachwuchs in den Ferien versorgt wissen möchte, merkt die Unterschiede zwischen den Gemeinden direkt. Je nach Wohnort entscheidet sich, ob ein Kindergartenplatz ab dem zweiten Geburtstag selbstverständlich ist oder ob Eltern Jahr für Jahr neu improvisieren müssen.
157 von 279 Gemeinden schaffen die Bestnote 1A
Für die Topbewertung 1A müssen Gemeinden acht bis neun der untersuchten Kriterien erfüllen, etwa bei Öffnungszeiten, Schließtagen und dem Betreuungsangebot für verschiedene Altersgruppen. 157 der 279 teilnehmenden Gemeinden schaffen das. Am unteren Ende der Skala landen 18 Gemeinden in den Kategorien C oder D und erfüllen damit nur einen Bruchteil der Anforderungen.
In immerhin 80 teilnehmenden Gemeinden bleiben Kindergärten länger geschlossen, als es die gesetzlich erlaubten fünf Wochen pro Jahr vorsehen. Für berufstätige Eltern bedeutet das zusätzliche Urlaubstage oder teure Alternativen in den Ferien.
159 Gemeinden verweigern die Teilnahme – 34 mehr als im Vorjahr
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei der Datenbereitschaft selbst: 159 Gemeinden lieferten für den aktuellen Atlas keine Zahlen, im Vorjahr waren es noch 125. Das sind 34 Gemeinden mehr, die sich der Überprüfung entziehen. Wer in einer dieser Gemeinden lebt, findet schlicht keine verlässliche Auskunft über die Qualität der örtlichen Betreuung.
Für Eltern heißt das in der Praxis: Vor einem Umzug oder bei der Wahl des Kindergartens bleibt oft nur der direkte Anruf bei der Gemeinde, weil ein landesweiter Vergleich an dieser Stelle fehlt.
Bei Unter-Dreijährigen und Schulkindern klaffen große Lücken
Am deutlichsten zeigt sich der Unterschied bei der Betreuung der Jüngsten. Nur 31 Gemeinden erreichen bei Kindern unter drei Jahren die höchste Kategorie 1A, weitere 141 schaffen immerhin Kategorie A. Doch 75 Gemeinden liegen nur bei B und 32 Gemeinden bei C oder D.
Bei den Drei- bis Sechsjährigen sieht es insgesamt besser aus: 100 Gemeinden erreichen 1A, weitere 82 die Kategorie A. Deutlich schlechter schneidet die Nachmittags- und Ferienbetreuung für Schulkinder ab: Nur 93 Gemeinden bekommen dort die beste Bewertung A, während 186 Gemeinden lediglich Kategorie B oder darunter erreichen.
Die Zahlen zeigen damit ein zweigeteiltes Bild: Während die klassische Kindergartenbetreuung ab drei Jahren in vielen Gemeinden gut funktioniert, bleiben ausgerechnet die Betreuung der Kleinsten und die Nachmittagsbetreuung für Schulkinder die Schwachstellen.
AK fordert Rechtsanspruch auf Betreuungsplatz ab dem zweiten Lebensjahr
Die Arbeiterkammer Oberösterreich fordert angesichts der Ergebnisse einen Rechtsanspruch auf einen qualitätsgeprüften Betreuungsplatz, der vom zweiten Lebensjahr bis zum Ende der Volksschule gilt. Damit könnten Eltern unabhängig vom Wohnort darauf vertrauen, rechtzeitig einen Platz zu bekommen.
Bis eine solche Regelung kommt, bleibt Eltern in schwächer bewerteten Gemeinden vorerst nur, sich frühzeitig bei der eigenen Gemeinde nach freien Plätzen, Öffnungszeiten und Schließtagen zu erkundigen, um bei der Kinderbetreuung in Oberösterreich keine böse Überraschung zu erleben.
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