Rund 3.000 Audi-Beschäftigte haben in Ingolstadt nachts die Arbeit niedergelegt. Sie protestieren gegen den Sparkurs des Konzerns und gegen eine mögliche Schließung des Werks Neckarsulm. Nach Angaben der IG Metall war dies der bislang größte Protest innerhalb der laufenden Warnstreikwelle in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie.
3.000 Beschäftigte legten in Ingolstadt die Arbeit nieder
Der Protest richtet sich gegen Audis Sparpläne und gegen die aus Sicht der Beschäftigten unzureichende Zukunftsperspektive für die deutschen Werke.
Nach Angaben der Gewerkschaft stehen inzwischen 41 Betriebe der bayerischen Metall- und Elektroindustrie im Warnstreik, zusätzlich sind größere Kundgebungen in Augsburg, Passau und Aschaffenburg vorgesehen. Audi beruft sich dabei auf die sogenannte Schlechtwetterklausel, um mit dem Betriebsrat über weitere Einsparungen zu verhandeln.
Hintergrund der Unruhe ist auch die wirtschaftliche Lage des Konzerns: Audi hat seine Umsatzprognose für das laufende Jahr von zuvor bis zu 63 Milliarden Euro auf nun bis zu 59 Milliarden Euro gesenkt. Die erwartete operative Rendite rutschte von bis zu 5 % auf eine Spanne bis 5 %, allerdings bei gesunkener unterer Grenze auf drei Prozentpunkte.
Die Tarifparteien liegen bei der Lohnforderung weit auseinander
Die IG Metall fordert für alle Beschäftigten eine Lohnerhöhung um 5 % bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, zusätzlich eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 110 Euro. Dem stehen die Arbeitgeber mit einem anderen Modell gegenüber: eine einmalige Zahlung in Höhe von einem Prozent des Bruttojahresgehalts im Sommer 2027, gefolgt von einer tariflichen Erhöhung um 1,3 % im Sommer 2028, bei insgesamt zweijähriger Laufzeit.
Rechenbeispiel
Addiert man die beiden Angebote der Arbeitgeberseite, kommen über zwei Jahre rechnerisch 2,3 Prozentpunkte zusammen. Die IG Metall verlangt dagegen allein für zwölf Monate mehr als das Doppelte, nämlich 5 %. Die Differenz erklärt, warum die Beschäftigten den Vorschlag als unzureichend ansehen: Das Arbeitgeberangebot liegt zudem nach Angaben der Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie unter der aktuellen Inflationsrate.
Horst Ott nennt Döllners US-Auftritt respektlos
Dort hatte Döllner den Bau eines neuen Werks in Aussicht gestellt; damit würde Audi, anders als BMW und Mercedes-Benz, erstmals einen eigenen Produktionsstandort in den USA erhalten.
Ott selbst hält den Aufbau einer US-Produktion grundsätzlich für sachlich nachvollziehbar, sieht den Zeitpunkt angesichts der deutschen Sparmaßnahmen aber als problematisch an.
Audis IG-Metall-Vertrauenskörperleiterin bei Audi, Karola Frank, verlangt eine belastbare Zukunftsperspektive für die Werke Ingolstadt und Neckarsulm.
Was der Streit für die Beschäftigten in Bayern und Baden-Württemberg bedeutet
Für die rund 3.000 Streikenden in Ingolstadt und ihre Kolleginnen und Kollegen in weiteren 41 Betrieben steht mehr auf dem Spiel als die reine Lohnrunde: Der eingebrochene Nettogewinn im dritten Quartal 2026 und die gesenkte Umsatzprognose erhöhen den Druck auf Audi, bei den Werken zu sparen. Ob und wann die Tarifparteien sich einigen, ist offen; weitere Warnstreiks und Kundgebungen in Augsburg, Passau und Aschaffenburg sind bereits angekündigt.
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