Wer HVO-Diesel tanken will, braucht zuerst die Freigabe des Fahrzeugherstellers. Erkennbar ist sie an der Kennzeichnung XTL in der Tankklappe oder in der Betriebsanleitung, wie ÖAMTC-Experte Martin Grasslober erklärt. Fehlt diese Freigabe, sollte der Kraftstoff trotz seiner Nähe zu herkömmlichem Diesel nicht genutzt werden.
HVO100 entsteht durch Hydrierung aus Pflanzenölen und Fetten: Die Rohstoffe werden mit Wasserstoff behandelt und so in Kohlenwasserstoffe umgewandelt, die sich chemisch stark an fossilen Diesel annähern. Dadurch lässt sich der Kraftstoff grundsätzlich wie gewohnter Diesel verwenden, sobald die Freigabe vorliegt.
Welche Fahrzeuge dürfen HVO100 tanken?
Nicht jedes Dieselfahrzeug ist automatisch geeignet. Grasslober verweist auf die XTL-Kennzeichnung als entscheidendes Merkmal für die Freigabe durch den Hersteller. Liegt sie vor, zeigt ein Test des ADAC laut Grasslober, dass sich Fahrverhalten und Ansprechverhalten zwischen HVO100 und konventionellem Diesel nur marginal und praktisch nicht spürbar unterscheiden.
Wer unsicher ist, findet den Hinweis also nicht im Zweifel am Zapfhahn, sondern in den Fahrzeugpapieren oder direkt an der Tankklappe.
Wie stark senkt HVO100 den CO2-Ausstoß?
Bei der Verbrennung von HVO100 lässt sich laut Grasslober eine CO2-Reduktion von 90 % erreichen. Diese Einsparung gilt allerdings nur, wenn Reststoffe wie Frittierfette oder Altspeiseöle als Rohstoff dienen, nicht bei Palmöl. Zusätzlich greift eine Obergrenze: Bio-Kraftstoffe aus Rohstoffen, die auch als Lebens- oder Futtermittel dienen könnten, dürfen höchstens 7 % des gesamten Energiebedarfs im Straßen- und Schienenverkehr ausmachen.
- 2023 wurden in Österreich 40 Millionen Liter HVO100 verkauft, im Jahr zuvor war die Menge laut Grasslober noch vernachlässigbar.
- HVO100 kostete zuletzt 15 bis 20 Cent je Liter mehr als herkömmlicher Diesel.
Über die vergangenen zwölf bis dreizehn Jahre haben Biokraftstoffe als Beimischung laut Grasslober insgesamt so viel CO2 eingespart, wie der gesamte jährliche Verkehrssektor ausstößt.
Wo lässt sich HVO100 tanken, und wie geht es weiter?
Stand Juli 2024 boten in Österreich 70 Tankstellen HVO100 für Pkw an, dazu rund 20 weitere Stationen für Lastkraftwagen. Die Raffinerie Schwechat verarbeitete seit Juni 2024 Biomasse, allerdings bislang vorwiegend zur Beimischung in Premium-Kraftstoffen. Größere Produzenten von HVO100 sitzen laut Grasslober in Finnland, den Niederlanden, Nord- und Süditalien sowie Frankreich.
Eine flächendeckende Versorgung bleibt schwierig, weil die verfügbaren Mengen den gesamten Dieselverbrauch nicht ersetzen können, so Grasslober. Denkbar sei stattdessen eine Beimischung von 6,5 % zum herkömmlichen Biodiesel B7, was einen Gesamtanteil an Biokraftstoff von 13,5 % ergeben würde.
Kraftstoffproduzenten stehen dabei laut Grasslober unter gesetzlichem Druck: Sie müssen die CO2-Emissionen ihrer verkauften Kraftstoffe senken, sonst drohen hohe Strafen.
Steuerlich lohnt sich reines HVO100 derzeit stärker als Mischungen: Als Reinstoff fällt laut Grasslober keine Mineralölsteuer an, während Mischungen mit Biodiesel genauso besteuert werden wie konventioneller B7-Diesel. Wer umsteigen will, sollte also vor dem nächsten Tankstopp die Tankklappe auf die XTL-Kennzeichnung prüfen und an einer der teilnehmenden Stationen die aktuellen Preise vergleichen.