Der Ministerrat hat am 4. November 2026 die gesetzliche Grundlage für das Impfen in Apotheken beschlossen. Geplanter Start ist Anfang 2027. Schwangere und Risikopatientinnen sowie Risikopatienten sind von den Impfungen in der Apotheke ausgenommen.
Wer künftig an der Tara-Station seiner Apotheke vorbeikommt, muss für eine Zeckenimpfung oder die Auffrischung gegen Tetanus nicht mehr zwingend einen Arzttermin suchen. Genau das ist der Grund für die Reform: Über die Apotheke sollen auch jene erreicht werden, die selten eine Arztpraxis aufsuchen.
Welche Spritzen zuerst kommen
Geplant sind in der Startphase ausschließlich Totimpfstoffe. In der Anfangsphase sollen Apotheken gegen Zecken-Enzephalitis (FSME) sowie gegen Hepatitis B impfen können, außerdem steht die Kombi-Spritze gegen Tetanus, Keuchhusten und Diphtherie für alle ab 14 Jahren auf der Liste.
Der Start für die FSME-Impfung ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen. Influenza- und COVID-19-Impfungen sind in der Startphase ausdrücklich nicht vorgesehen – wer sich dagegen impfen lassen möchte, braucht weiterhin einen anderen Weg.
Wer in der Apotheke impfen darf
Mehr als 3.000 Apothekerinnen und Apotheker haben laut Österreichischer Apothekerkammer bereits eine Impfausbildung nach internationalem Standard absolviert. Laut Gesundheitsministerium deckt diese Ausbildung schon den Großteil der künftigen Anforderungen ab.
Vor dem Start müssen die Apotheker lediglich einzelne Module als E-Learning sowie einen Präsenzkurs zu Notfallmanagement und Injektionstechnik nachholen. Ein eigener Impfraum oder bauliche Umbauten sind nicht nötig: Ein räumlich abgetrennter Bereich mit Hygienevorgaben und Vertraulichkeitsschutz soll genügen.
Blick nach Portugal und Irland
Dass das Modell wirken kann, zeigen laut Susanne Ergott-Badawi Beispiele aus dem Ausland.
Irische Apotheken erreichen bei Menschen über 65 Jahren demnach eine Grippe-Impfquote von 75,7 %, während im EU-Durchschnitt nicht einmal die Hälfte der über 65-Jährigen geimpft ist. Auch Deutschland hat seine anfängliche Beschränkung auf einzelne Impfstoffe inzwischen aufgehoben und erlaubt heute alle Totimpfstoffe in der Apotheke.
Kritik und offene Fragen
Die Österreichische Apothekerkammer fordert, nicht-lebende Impfstoffe insgesamt rasch zuzulassen, statt die Liste schrittweise zu erweitern. Die Österreichische Ärztekammer hat sich dagegen wiederholt gegen das Impfen in Apotheken ausgesprochen.
Die parlamentarische Beschlussfassung des Gesetzes ist für Dezember 2026 vorgesehen, die Verordnungen sollen mit Jänner 2027 in Kraft treten.