Seit 1. Oktober 2026 kostet jede Paketbestellung in Österreich pauschal 2,40 Euro mehr. Die neue Paketsteuer soll dem Staat helfen, die Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel zu finanzieren, trifft laut Handelsverband aber nicht nur ausländische Online-Riesen, sondern auch den heimischen Handel. Geschäftsführer Rainer Will warnt zudem vor erheblichen Kaufkraftverlusten für die Konsumenten, da die 2,40 Euro von den meisten Anbietern direkt an die Endverbraucher weitergegeben werden.
Wer zahlt die neue Paketsteuer?
Betroffen sind 15 große Online-Händler und Marktplätze sowie rund 4.000 heimische Händler, die über solche Plattformen verkaufen. Der Umgang mit der Abgabe fällt dabei unterschiedlich aus:
- Einige Shops verzichten darauf, die Paketsteuer an Kunden weiterzugeben.
- Bestimmte Händler übernehmen die Steuer für Bestellungen bis zum 11. Oktober selbst.
- Einzelne große Verkaufsportale erstatten die Paketsteuer bei vollständigen, zeitnahen Retouren.
- Rund 4.000 heimische Händler auf Online-Marktplätzen müssen die Abgabe trotzdem zahlen.
Warum trifft die Steuer auch Geschäfte vor Ort?
Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will berichtet von ersten Rückmeldungen, wonach Kunden statt mehrerer kleiner Käufe im stationären Handel jetzt Großbestellungen bei Online-Plattformen aufgeben, um die Paketsteuer auf mehr Produkte zu verteilen. Genau jene spontanen Ergänzungskäufe im Geschäft, von denen kleine Händler leben, bleiben dabei aus.
Was die Paketsteuer einen Haushalt kostet
Bestellt ein Haushalt drei Pakete im Monat, zahlt er dafür 7,20 Euro Paketsteuer. Das ist mehr, als die rund sechs Euro wert sind, die derselbe Haushalt laut Handelsverband durch die niedrigere Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel monatlich spart. Unter dem Strich bleibt bei drei Bestellungen im Monat ein Minus von etwa 1,20 Euro.
Wie geht der Streit um die Paketsteuer weiter?
Aus diesem Grund hat der Handelsverband eine Binnenmarkt-Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingereicht. Will wirft der Regelung Verstöße gegen den freien Warenverkehr, die Dienstleistungsfreiheit und das Verbot eines mittelbaren steuerlichen Protektionismus vor.
Er fordert die Kommission auf, ein Vertragsverletzungsverfahren zu prüfen, und verlangt von der Bundesregierung die Rücknahme der Steuer. Nach seinen Angaben drohen Österreich durch die Paketsteuer ein jährlicher BIP-Rückgang von 360 Millionen Euro und der Verlust von fast 2.900 Arbeitsplätzen.
Bereits am 20. August hatte Zalando eine eigene Klage gegen das Paketsteuergesetz beim Verfassungsgerichtshof in Wien eingebracht. Zusätzlich kommen auf Käufer aus Drittstaaten weitere EU-Abgaben zu: ein Pauschalzoll von 3 Euro seit Juli und eine Handling-Fee von 2 Euro pro Artikel ab November.
Wer gerade bestellt, sollte Retouren bei Amazon, Otto Österreich oder Zalando vollständig und zeitnah zurückschicken, um sich die Paketsteuer erstatten zu lassen. Bestellungen bei Otto und Universal lohnen sich bis zum 11. Oktober noch ohne den Aufschlag.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.