Seit 1. Juli 2026 fällt auf Warensendungen aus Nicht-EU-Staaten bis 150 Euro Warenwert ein Pauschalzoll von 3 Euro je Warenkategorie an, die bisherige Zollfreigrenze von 150 Euro ist damit Geschichte. Der Temu-Zoll 2026 zeigt bereits Wirkung: 49 % der Fernost-Käufer in Österreich bestellen seither seltener bei Plattformen wie Temu, Shein, AliExpress oder TikTok Shop, wie eine aktuelle Erhebung des Handelsverbands zeigt.
Wer bisher im Warenkorb bei Temu einfach draufgeklickt hat, merkt den Unterschied erst an der Kasse: Der Zoll ist dort bereits im angezeigten Preis enthalten, laut Temu-Nutzungsbedingungen inklusive aller Gebühren und Steuern. Fällt die tatsächliche Abgabe niedriger aus als geschätzt, erstattet das Unternehmen die Differenz automatisch über die Zahlungsart zurück.
Warum die EU-Kommission den Pauschalzoll eingeführt hat
Rechtliche Basis dafür bildet die Ratsverordnung (EU) 2026/382, die am 8. Juni 2026 erschienen ist. Auslöser war die enorme Zahl an Kleinpaketen: Im Jahr 2025 zählte die EU-Kommission beinahe 5,9 Milliarden solcher Sendungen, die aus Drittstaaten direkt an Verbraucher in der EU gingen – allein in Deutschland trafen täglich etwa 400.000 Pakete von Shein und Temu ein.
Nach Angaben der EU-Kommission soll der Pauschalzoll nur eine Zwischenlösung sein, befristet bis 1. Juli 2028. Seit 1. November 2026 kommt EU-weit eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr von 2 Euro je Sendung hinzu.
Entscheidend für die Berechnung ist laut Generalzolldirektion und Bundesfinanzministerium nicht das Bestelldatum, sondern das Einfuhrdatum der Ware. Der Zoll wird außerdem je Warenkategorie berechnet, nicht je Artikel oder Paket – wer mehrere unterschiedliche Produkte in einer Sendung bestellt, zahlt entsprechend mehrfach.
Was ein Einkauf künftig wirklich kostet
Bei einem Warenwert von 100 Euro mit zwei Warenkategorien fallen 6 Euro Zoll sowie 20,14 Euro Einfuhrumsatzsteuer an – macht einen Gesamtpreis von 126,14 Euro statt 100 Euro. Die Einfuhrumsatzsteuer von 19 % wird dabei auf Zollwert plus Zoll berechnet, nicht auf den reinen Warenwert. Besonders deutlich zeigt sich der Effekt bei Kleinstbestellungen: Eine Handyhülle für 2 Euro wird laut WinFuture durch den Zoll um rund 150 % teurer.
EU-weit sind die Importe solcher Pakete seit dem 1. Juli 2026 laut französischem Zoll und Wirtschaftsministerium um 30 bis 40 % zurückgegangen. Besonders deutlich traf es Frankreich: Dort sackte der Absatz von Temu zwischen Juni und Juli 2026 um 50 % ab. Zugleich legte der durchschnittliche Temu-Warenkorb um 30 % zu, während seltener bestellt wurde – Kunden kaufen also seltener, aber mehr auf einmal.
Wer stärker spart und wer weiterbestellt
In Österreich haben in den vergangenen zwölf Monaten 40 % der Menschen mindestens einmal bei einer Fernost-Plattform bestellt, allen voran bei Temu mit 30 %, gefolgt von Shein mit 11 %, Alibaba oder AliExpress mit 9 % und TikTok Shop mit 6 %.
Besonders stark ist der Effekt bei der Generation Z: Die Hälfte von ihnen nutzt Fernost-Plattformen, und 60 % der jungen Käufer bestellen seit Einführung des Pauschalzolls seltener. Bei Frauen sinkt die Bestellhäufigkeit laut Handelsverband deutlicher (58 %) als bei Männern (40 %).
Dass der EU-Zoll tatsächlich beim Kaufverhalten ansetzt, zeigen auch die Paketzahlen: Im dritten Quartal 2026 ging die Zahl der Fernost-Pakete nach Angaben der Österreichischen Post um 30 % zurück, EU-weit meldete die EU-Kommission für niedrigwertige Direktsendungen aus Drittstaaten sogar ein Minus von 60 %.
Anders fällt die Bilanz bei der heimischen Paketsteuer aus, die seit 1. Oktober 2026 mit 2,40 Euro je Sendung erhoben wird: Sie zeigt laut Handelsverband deutlich weniger Lenkungswirkung als der EU-Pauschalzoll.
Was Käufer ab sofort beachten sollten
Immerhin ziehen Konsumenten eine Konsequenz: 28 % der Befragten wollen laut Handelsverband künftig verstärkt bei europäischen Händlern einkaufen statt bei Fernost-Plattformen.
Wer weiter bei Temu bestellen will, sollte vor dem Klick auf den Gesamtpreis im Warenkorb achten, da dieser Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und seit November auch die neue Bearbeitungsgebühr bereits enthält. Wer mehrere Produktarten in einer Sendung bündelt, zahlt den Pauschalzoll mehrfach – einzeln bestellen spart in solchen Fällen nicht automatisch.
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