Kärntner Haushalte müssen sich ab Jänner 2027 auf rund 50 Euro zusätzliche Stromnetztarifkosten pro Jahr einstellen. Deshalb bat Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ) Vertreter von Kelag und Kärnten Netz zu einer Aussprache. Eine rasche Lösung brachte das Treffen am 4. November nicht.
Wer in Kärnten die monatliche Stromrechnung öffnet, zahlt künftig einen Fixbetrag mehr, ohne dass sich am eigenen Verbrauch etwas ändert.
Warum Kärnten schon jetzt die höchsten Netzentgelte zahlt
Das deckt sich mit Zahlen der E-Control: Unter der bisherigen Berechnungssystematik verzeichnet Kärnten für 2027 eine Netzentgeltsteigerung von 9,6 % – mehr als doppelt so viel wie Innsbruck mit 4,2 %. Niederösterreich verzeichnet im selben Zeitraum dagegen einen Rückgang von rund einem Achtel, Vorarlberg von 8,5 %.
Diese Unterschiede zwischen den Bundesländern sind für Fellner der eigentliche Kern des Problems.
Das fordert Fellner von Kelag und Kärnten Netz
Nach dem Gespräch am 4. November, das er selbst als intensiv, aber ergebnislos beschreibt, verlangt Fellner ein konkretes Maßnahmenpaket. Ein weiteres Gespräch mit Kelag und Kärnten Netz ist bereits vereinbart.
Zusätzlich will Fellner alle Kärntner Abgeordneten zum Nationalrat und zum Bundesrat an einen Tisch holen, um das Thema auf Bundesebene voranzutreiben.
Rechenbeispiel: 50 Euro mehr in Kärnten gegen mögliche Entlastung im Rest des Landes
Die angekündigten 50 Euro Mehrkosten für einen Kärntner Durchschnittshaushalt stehen einem ganz anderen Trend in anderen Teilen Österreichs gegenüber. Die E-Control hat eine neue Tarife-Verordnung zur Begutachtung freigegeben, die Netzkosten ab 2027 zunehmend nach der tatsächlichen Leistungsspitze eines Anschlusses statt nach dem reinen Verbrauch berechnet.
Für einen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch simuliert die E-Control auf der Netzebene 7 eine durchschnittliche Senkung von 3,6 %, das entspricht rund 15 Euro im Jahr. In Netzabschnitten, die auf die neue Systematik umstellen, sinken die Entgelte sogar um 5,7 % oder rund 24 Euro – auf derselben Verbrauchsbasis gerechnet. Während anderswo also gespart wird, zahlen Kärntner Haushalte vorerst drauf.
Köfer, Angerer und Gaggl üben unterschiedliche Kritik an Fellner
Die Opposition im Kärntner Landtag lässt kein gutes Haar am Verhandlungsergebnis.
Köfer fordert eine umfassende rechtliche Prüfung der Erhöhung durch das Land Kärnten unter Beteiligung interner und externer Experten sowie die Offenlegung der Berechnungen von Kärnten Netz und E-Control. Entsprechende Initiativen will er im Kärntner Landtag einbringen.
Für Angerer liegt die Verantwortung klar bei der aus SPÖ und ÖVP gebildeten Landesregierung; das Land müsse seinen Einfluss auf die Kelag endlich nutzen, um die Strom- und Netzkosten zu drücken.
Milder äußert sich ÖVP-Politiker Herbert Gaggl. Gaggl drängt Fellner, das Thema bei der Landeshauptleutekonferenz voranzutreiben.
Was Kärntner Haushalte jetzt wissen müssen
Für Verbraucher bleibt vorerst die Ankündigung bestehen: Ab Jänner 2027 wird es in Kärnten teurer. Wer die bundesweite Tarife-Verordnung der E-Control mitverfolgen will, kann noch bis zum 20. November 2026 eine Stellungnahme einreichen. Netzbetreiber müssen zudem bis zum 11. November 2026 bekanntgeben, wann sie das neue Leistungspreis-Modell einführen – ein Termin, der für Haushalte außerhalb Kärntens über mögliche Entlastungen mitentscheidet.
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