Der Gaspreis an der Börse ist auf den höchsten Stand seit Jahren geklettert. In Österreich heizen rund 850.000 Haushalte mit Gas, dazu kommen zahlreiche Industriebetriebe, die Erdgas im Produktionsprozess brauchen.
Der Erdgas-Terminkontrakt TTF für Lieferungen im November notierte in Amsterdam bei 87,20 Euro je Megawattstunde und damit doppelt so hoch wie im Frühjahr 2026. Wer im November die Gasheizung aufdreht, zahlt also mit, was an den Energiebörsen gerade passiert. Spürbar wird das nicht sofort an der Zapfsäule, sondern erst bei der nächsten Jahresabrechnung – und genau davor warnt die Branche jetzt.
Speicher deutlich leerer als im Vorjahr
Die EU-Gasspeicher waren Mitte Oktober 2026 zu rund 74 % gefüllt, Ziel der EU ist ein Füllstand von 90 % bis Ende Dezember 2026. Österreichs Speicher lagen zum selben Zeitpunkt bei etwas mehr als zwei Dritteln ihrer Kapazität, der OMV-Speicher sogar nur bei 55 %. Nach Angaben von E-Control-Vorstand Walter Boltz liegt der Füllstand damit deutlich unter dem Niveau des Herbstes 2025.
Auch in Deutschland zeigt sich das Bild: Der Speicherstand lag am 13. Oktober 2026 bei 59,96 % und damit auf einem historisch niedrigen Niveau. Boltz geht davon aus, dass alle Haushalte die höheren Gaspreise zu spüren bekommen werden.
Warum der Preis gerade jetzt steigt
Als einen Grund für die hohen Preise nennen Marktbeobachter den andauernden Krieg im Nahen Osten. Katar hat seine Lieferverpflichtungen wegen höherer Gewalt bis Dezember 2026 verlängert, was zusätzliche Mengen am Markt knapper macht.
Was das für die Heizkostenabrechnung bedeutet
Wie stark sich das auf die Jahresabrechnung auswirkt, zeigen Zahlen aus Deutschland: An der Handelsbörse THE lag der Gaspreis für kurzfristige Lieferungen Ende Oktober 2026 bei 102,65 Euro je Megawattstunde, ein Jahr zuvor waren es noch rund 34 Euro. Neukunden zahlten im Schnitt 14 Cent je Kilowattstunde, im Vorjahresherbst waren es 9 Cent.
Ein Einfamilienhaus mit einem üblichen Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden landet bei neu abgeschlossenen Verträgen bei rund 2.800 Euro Heizkosten im Jahr, im Herbst 2025 waren es noch 1.800 Euro.
Eine typische Mehrfamilienhaus-Wohnung mit 13.300 Kilowattstunden Verbrauch kommt bei aktuellen Neukundenpreisen auf rund 1.870 Euro im Jahr statt zuvor 1.200 Euro. Der durchschnittliche Gaspreis über alle Haushalte hinweg lag zuletzt bei 12,7 Cent je Kilowattstunde.
Wie Haushalte gegensteuern
Diese Entwicklung lässt sich bereits an Daten des Thermostat-Anbieters tado° ablesen: Die Nutzung von Energiesparfunktionen stieg im Oktober 2026 gegenüber dem Vorjahr um 21 %, und 64 % der Nutzer kontrollierten im Oktober mindestens einmal wöchentlich ihre Heizkosten in der App, 2025 war es nur gut jeder zweite Nutzer. Die Daten stammen von 5,6 Millionen vernetzten Thermostaten.
Schon im Winter 2022/23 drehten deutsche Nutzer von tado° ihre Raumtemperatur im Mittel um 0,8 °C herunter und landeten damit bei durchschnittlich 19,4 °C, um die Kosten zu drücken.
Kärntner Haushalte sollen ab Jänner 2027 rund 50 Euro mehr für Stromnetzentgelte zahlen – ein Gespräch zwischen Landeshauptmann Fellner und den Netzbetreibern brachte dazu noch keine Lösung.
Der EU-Pauschalzoll von 3 Euro je Warenkategorie lässt fast die Hälfte der Fernost-Käufer seltener bei Temu und Shein bestellen – Österreichs eigene Paketsteuer wirkt dagegen kaum.