Der Faserhersteller Lenzing weist für die ersten neun Monate 2026 einen Nettoverlust von 130,3 Millionen Euro aus. Anleger, die auf die Lenzing-Aktie schauen, sehen hinter den roten Zahlen vor allem den Stellenabbau im Konzern.
Im Vorjahreszeitraum hatte der Verlust noch 105 Millionen Euro betragen, der Umsatz sank im selben Zeitraum auf 1.926,3 Millionen Euro von 1,972 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA stabilisierte sich bei 353 Millionen Euro und blieb damit gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert.
Die bereinigte EBITDA-Marge im dritten Quartal 2026 kletterte im Vergleich zum Vorjahresquartal von 13,3 auf 17,3 Prozent. Beim berichteten EBITDA zeigte sich die Gegenrichtung: Es fiel um sieben Prozent auf 316,4 Millionen Euro.
364 Jobs weniger bei Lenzing
Von 7.738 auf 7.374 Beschäftigte schrumpfte die Belegschaft des Konzerns. Das sind 364 Arbeitsplätze weniger als im Vorjahreszeitraum, verteilt über die internationalen Standorte des Unternehmens. Für Beschäftigte in den betroffenen Werken bedeutet das eine spürbare Verunsicherung, auch wenn Lenzing den genauen Stellenabbau je Standort nicht öffentlich aufschlüsselt.
Besonders betroffen von der schwierigen Lage sind die Standorte Heiligenkreuz und Grimsby. Wertberichtigungen auf langfristige Vermögenswerte an diesen beiden Werken summierten sich auf 136,1 Millionen Euro und belasteten das Betriebsergebnis wesentlich. Das Betriebsergebnis fiel dadurch auf minus 55,1 Millionen Euro, nach plus 20,6 Millionen Euro im Vorjahr.
Ohne Sonderbelastungen hätte Lenzing einen Gewinn gemacht
Die Wertberichtigungen und Restrukturierungseffekte von zusammen 36,6 Millionen Euro drücken das Bild der Bilanz deutlich. Rechnet man diese Sonderposten heraus, hätte der Konzern nach eigener Darstellung einen Gewinn von 42,4 Millionen Euro erzielt, statt den ausgewiesenen Verlust zu verbuchen. Das Ergebnis je Aktie lag unter dem Strich bei minus 4,73 Euro.
Auch beim Geldfluss hinterließ das schwierige Jahr Spuren: Der operative Cashflow fiel auf 206,2 Millionen Euro, während der freie Cashflow von 110,9 auf 24,7 Millionen Euro einbrach. Parallel dazu kletterte die Nettofinanzverschuldung seit Ende 2025 auf 1.418,9 Millionen Euro, während die bereinigte Eigenkapitalquote auf 26,6 Prozent zurückging.
300 Millionen Euro frisches Kapital sollen die Bilanz stützen
Zur Stabilisierung der Finanzlage hat Lenzing im Oktober 2026 eine Kapitalerhöhung in Höhe von rund 300 Millionen Euro abgeschlossen. Parallel dazu vereinbarte der Konzern laut eigenen Angaben neue Finanzierungsvereinbarungen mit einem Volumen von ebenfalls rund 300 Millionen Euro, von denen bereits die Hälfte verbindlich festgelegt ist.
Ein Performance-Programm soll laut Lenzing zusätzlich 120 Millionen Euro gegenüber der Kostenbasis 2025 einsparen.
Was die Prognose für Anleger und Mitarbeiter bedeutet
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Lenzing ein bereinigtes EBITDA zwischen 430 und 460 Millionen Euro. Auf mittlere Sicht peilt der Konzern ein um 150 Millionen Euro höheres EBITDA an und will damit eine EBITDA-Marge von 20 bis 25 Prozent erreichen; in den ersten neun Monaten 2026 lag sie bei 18,3 Prozent.
Für Beschäftigte an den Standorten Heiligenkreuz und Grimsby bleibt die Entwicklung der kommenden Quartale entscheidend, denn von der angekündigten Kostensenkung und dem Performance-Programm hängt ab, ob weitere Stellen wegfallen. Für Anleger, die die Lenzing-Aktie beobachten, liefert die angehobene Jahresprognose zumindest ein Signal, dass der Konzern auf eine Stabilisierung setzt.