Mehr als 90 % der ökologisch wertvollen Flussstrecken in Kärnten sind rechtlich nicht vor weiterem Wasserkraftausbau geschützt. Das geht aus einem aktuellen Report des WWF hervor. Damit liegt Kärnten gemeinsam mit Vorarlberg an der Spitze jener Bundesländer, in denen der Flussschutz die größte Lücke aufweist.
Wer im Sommer an einem Kärntner Bach steht und das Rinnsal zwischen den Steinen sieht, bekommt eine Ahnung davon, was die Zahlen bedeuten: Zahlreiche Wasserkraftanlagen entnehmen in Kärnten Wasser aus den Flüssen, bevor es weiter flussabwärts zurückgeführt wird. In Zeiten von Hitze und Dürre wird jeder Liter zum Politikum.
Woher die Zahlen stammen
Der WWF hat für seinen Report bundesweit rund 12.600 Flusskilometer als ökologisch besonders wertvoll eingestuft. Österreichweit sind laut dem Report 77 % dieser Strecken rechtlich nicht vor weiterem Wasserkraftausbau geschützt, insgesamt summiert sich die Schutzlücke auf 9.700 Flusskilometer.
Auch bei der sogenannten Restwassermenge, also der Menge, die nach einer Ausleitung mindestens im Flussbett bleiben muss, sieht es laut WWF schlecht aus: In 57 % der Restwasserstrecken ist diese ökologisch notwendige Mindestwassermenge demnach nicht gewährleistet.
Zusätzlich verschärft sich das Problem an den Querbauwerken selbst: 77 % der Wehre und anderen Bauwerke mit Wasserkraftnutzung sind laut dem Report für Fische nicht passierbar. Dämme und Wehre blockieren dem Report zufolge zudem den natürlichen Geschiebetransport, also die Verfrachtung von Kies und Schotter, der für gesunde Flussökosysteme eine wichtige Rolle spielt.
Warum Kärnten im Ländervergleich schlechter abschneidet
In Niederösterreich, Salzburg, der Steiermark, Tirol und Oberösterreich fehlt laut WWF bei rund der Hälfte der ökologisch wertvollen Flussstrecken der rechtliche Schutz. Kärnten und Vorarlberg liegen mit über 90 % deutlich darüber. Österreichweit sind laut dem Report mehr als 6.600 Wasserkraftanlagen dokumentiert, davon allein in Kärnten mehr als 900.
Auch bei der sogenannten Renaturierung, also der Wiederherstellung naturnaher Flussläufe, klafft laut dem Report eine Lücke: Rund drei von vier dieser vorgesehenen Strecken haben keinen rechtlichen Schutz vor weiterem Ausbau der Wasserkraft. Von den 1.900 Flusskilometern, die laut dem nationalen Renaturierungsplan wieder frei fließen sollen, betrifft das rund 76 %.
Was der WWF jetzt fordert
Angesichts zunehmender Hitze und Dürre mahnt der WWF, beim Schutz und bei der Renaturierung von Flüssen nicht länger zu warten. Die Organisation kritisiert zudem erhebliche Defizite bei vielen bestehenden Wasserkraftanlagen bei der Restwassermenge.
Als eine mögliche Maßnahme schlägt der WWF einen Wasserzins nach Schweizer Vorbild vor, der bei etwa 1,5 Cent pro Kilowattstunde Wasserkraftstrom liegen soll. Ein solcher Zins würde die Nutzung des Flusswassers für Energieunternehmen verteuern und könnte so Mittel für Schutz und Renaturierung bringen.
Was das für Kärnten bedeutet
Ein eigenes Gesetz, das die ungeschützten Flussstrecken in Kärnten unter rechtlichen Schutz stellt, gibt es bislang nicht. Solange das so bleibt, können laut dem Report weitere Ausleitungen und Querbauwerke entstehen, obwohl die Wasserversorgung durch Hitze und Dürre bereits unter Druck steht.
Der Faserhersteller aus Oberösterreich hat binnen eines Jahres mehr als 360 Stellen abgebaut und gleichzeitig eine Kapitalerhöhung über 300 Millionen Euro gestemmt.