Mit dem Herbst steigt die Zahl der Wildunfälle in ganz Österreich, auch in Vorarlberg gilt auf Waldstraßen jetzt erhöhte Vorsicht. Österreichweit wurden in der Saison 2025/2026 rund 65.036 Wildtiere im Straßenverkehr getötet, in Kärnten stirbt statistisch alle zwei Stunden ein Tier. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit nennt nicht angepasste Geschwindigkeit und Unachtsamkeit als häufigste Unfallursachen. Besonders an trüben Herbsttagen mit früher Dämmerung treffen Autofahrer häufiger auf Rehe, Hasen und Fasane, die am häufigsten betroffen sind. Diese Jahreszeit erhöht die Gefahr auf allen österreichischen Landstraßen, nicht nur in einzelnen Bundesländern.
Die enorme Wucht eines Aufpralls
Die physikalische Wucht eines solchen Aufpralls wird im Straßenverkehr oft massiv unterschätzt. Nach Berechnungen der ÖAMTC Fahrtechnik wirkt bei einer Kollision mit einem rund 20 Kilogramm schweren Reh bereits bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h eine Aufprallwucht von einer halben Tonne auf das Fahrzeug. Beschleunigt man das Auto auf Tempo 100, katapultiert sich diese Belastung auf rund zwei Tonnen – das Gewicht eines ausgewachsenen SUVs. Zum Vergleich: Die Sicherheits- und Knautschzonen moderner Kraftfahrzeuge sind primär für den standardisierten Frontalaufprall zweier Pkw bei einer Geschwindigkeit von jeweils 64 km/h optimiert. Verkehrsjuristen des Mobilitätsclubs betonen daher immer wieder, dass Unfälle mit größeren Wildtieren bei hoher Geschwindigkeit diese Schutzsysteme an ihre absoluten Belastungsgrenzen bringen und im Regelfall zu einem wirtschaftlichen Totalschaden führen.
Rechtliche Pflichten und richtiges Verhalten
Die österreichische Rechtsprechung sieht bei Kollisionen mit großen Wildtieren wie Wildschwein, Reh oder Hirsch eine Vollbremsung als gerechtfertigt an, weil die Gefahr für die Insassen hoch ist. Bei kleineren Tieren wie Wildvögeln, Hasen oder Eichhörnchen gilt dagegen die plötzliche Bremsung selbst als größeres Risiko als die Kollision. Verletzte oder getötete Wildtiere dürfen nach einem Unfall nicht mitgenommen werden, das gilt rechtlich als Diebstahl. Nach einem Wildunfall muss außerdem unverzüglich die Polizei verständigt werden, auch wenn das Tier geflüchtet ist.
Für das richtige Verhalten in der Praxis gelten folgende Kernregeln:
Sofort reagieren: Beim Erkennen eines Tieres sofort bremsen, das Fernlicht abblenden und hupen, um es zu verscheuchen.
Keine Ausweichmanöver: Ein riskantes Ausweichen ist strikt zu vermeiden, da dies oft zu schweren Kollisionen mit Gegenverkehr oder Bäumen führt.
Abstand halten: An Waldrändern grundsätzlich einen großzügigen Seitenabstand einhalten, da Wildtiere oft in Rudeln unterwegs sind und im Scheinwerferlicht starr stehen bleiben.
Im Fahrzeug bleiben bei Großraubwild: Wer einen Bären anfährt, sollte unbedingt im Auto bleiben, die Türen verriegeln und im Wagen auf Hilfe warten.
Rechenbeispiel Kaskoschutz
Wer eine Kaskoversicherung hat, bekommt Wildschäden grundsätzlich ersetzt – eine Haftpflichtversicherung deckt diese Schäden laut ÖAMTC nicht ab. Mitglieder mit ÖAMTC Schutzbrief erhalten zusätzlich 80 % der Reparaturkosten oder des Selbstbehalts bis zu 600 Euro erstattet. Bei einem Selbstbehalt von 600 Euro bedeutet das: Der Schutzbrief übernimmt 480 Euro, die restlichen 120 Euro trägt der Fahrzeughalter selbst.
Statistischer Rückblick: Unfallzahlen im Detail
Die jährliche Unfallzahl mit Wildbeteiligung schwankt seit Jahren: 2019 wurden 347 Kollisionen registriert, im Folgejahr 2020 sank die Zahl auf 224, danach stieg sie wieder auf 298 im Jahr 2021 und 301 im Jahr 2022. Nach 276 Unfällen im Jahr 2023 markierte das Jahr 2024 mit 314 Vorfällen einen Höchststand, wobei Niederösterreich mit 103 Unfällen die höchste Zahl aller Bundesländer verzeichnete. Im Jahr 2025 pendelte sich der Wert bei insgesamt 283 Vorfällen ein. Österreichweit wurden 2025 insgesamt 322 Personen bei Wildunfällen verletzt, davon 42 in Kärnten selbst. Todesfälle durch Wildunfälle gab es im Jahr 2025 in Österreich keine. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit führt rund 38 % der Unfälle auf nicht angepasste Geschwindigkeit zurück, bei 54 % spielten Unachtsamkeit und Ablenkung eine Rolle.
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