Ab Januar 2027 könnte das Briefporto in Deutschland deutlich steigen. Die Bundesnetzagentur schlägt einen Erhöhungsspielraum vor, der einen Standardbrief auf bis zu 1,14 Euro verteuern könnte. Betroffen wären vor allem Privatkunden, die noch klassische Briefe verschicken, sowie Firmen- und Behördenkunden, auf die der Großteil des Briefgeschäfts der Deutschen Post entfällt.
Die Deutsche Post selbst darf die Preise nicht einfach festsetzen. Sie benötigt dafür die Zustimmung der Bundesnetzagentur, die zunächst einen Entwurf mit einem Spielraum von bis zu 20,35 % vorlegt, die Branche dazu befragt und erst danach die endgültigen Vorgaben erlässt. Damit könnte der bisherige Preis von 95 Cent pro Standardbrief steigen. Erst wenn dieser Rahmen steht, legt die Deutsche Post fest, welche Briefart wie stark verteuert wird.
Warum das Porto so stark steigen könnte
2005 wurden in Deutschland noch 16,9 Milliarden Briefe verschickt, 2025 waren es nur noch knapp 9,4 Milliarden. Sinkende Mengen verteilen die Fixkosten auf weniger Sendungen, wodurch jeder einzelne Brief teurer wird.
Die Deutsche Post selbst verweist zusätzlich auf gestiegene Kosten für Löhne, Energie und Material. Das Unternehmen erklärt, verantwortungsvoll mit dem eingeräumten Spielraum umgehen zu wollen. Ob die Erhöhung tatsächlich in voller Höhe kommt, entscheidet sich erst mit den konkreten Einzelpreisen.
Wie teuer Briefe schon einmal wurden
Die aktuelle Größenordnung wäre ein Rekord. Der bisherige Höchstwert für einen Preisaufschlag lag 2025 bei 10,48 %, 2022 betrug der durchschnittliche Aufschlag nur 4,6 %. Seit 2012 hat sich das Porto eines Standardbriefs bereits etwa verdoppelt, damals kostete er noch 55 Cent. Auch bei Paketen ist ein Plus möglich, hier schlägt die Bundesnetzagentur einen Spielraum von 10,72 % vor, spürbar weniger als bei Briefen.
Was sich für Firmen und Verwaltung ändert
Für Geschäftskunden-Post gilt derselbe Spielraum wie bei Privatkundenbriefen. Das trifft vor allem Unternehmen und Behörden, die den Großteil des Briefvolumens ausmachen, auf sie entfallen rund 85 % des Geschäfts der Deutschen Post.
Gleichzeitig verlagert sich die Kommunikation zunehmend auf digitale Kanäle, ab 2028 müssen Unternehmen zudem elektronische Rechnungen verbindlich einführen. Das dürfte die Briefmengen weiter schrumpfen lassen und den Druck auf künftige Portopreise erhöhen.
An den Zustellfristen ändert sich nichts: 95 % der eingeworfenen Sendungen müssen weiterhin nach drei Werktagen beim Empfänger sein, 99 % nach vier Werktagen.
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