Impfen in der Apotheke ist in Deutschland bislang die Ausnahme: Nach Angaben aus dem Bundesgesundheitsministerium liegt der Anteil der Apotheken, die überhaupt impfen, derzeit bei 10 %. Ein Gesetzentwurf, der das Angebot deutlich erweitern sollte, war in der vergangenen Legislaturperiode nicht mehr fertig verhandelt worden.
Aktuell dürfen Apotheken vor allem saisonal gegen Grippe und Corona impfen. Laut Landesapothekerkammer Baden-Württemberg ist das Angebot in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt: Dort können sich Personen ab 18 Jahren gegen Grippe impfen lassen, bei der COVID-19-Impfung bereits ab 12 Jahren.
Stand heute
Damit eine Apotheke überhaupt impfen darf, müssen Apothekerinnen und Apotheker eine spezielle ärztliche Fortbildung absolviert haben. Die Räumlichkeiten müssen bestimmte Vorgaben erfüllen, und die Impfungen laufen unter denselben Hygiene- und Sicherheitsstandards wie in Arztpraxen, wie die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg mitteilt.
Das Angebot soll vor allem jene erreichen, die aus zeitlichen oder organisatorischen Gründen keine Arztpraxis aufsuchen, und so Impflücken schließen.
Pläne im Bund
Ein Änderungsantrag sollte Apothekern erlauben, nach entsprechender Schulung auch bei Erwachsenen Schutzimpfungen mit allen gängigen Totimpfstoffen durchzuführen – darunter gegen Diphtherie, Hepatitis B, Polio, Keuchhusten, Tetanus, FSME und Pneumokokken. Wegen der verkürzten Legislaturperiode wurde der Entwurf jedoch nicht mehr verabschiedet.
Der designierte Staatssekretär Georg Kippels erklärt dazu, ein Vorhaben werde nicht verworfen, nur weil es aus einer vorangegangenen Legislatur stamme.
Was dafür spricht
Kippels begründet den Vorstoß damit, dass ein niedrigschwelliger Zugang notwendig sei, um die Impfquoten zu erhöhen. Er sieht Impfen grundsätzlich als erfolgreiche Vorsorgemaßnahme und fordert mehr Aufklärung der Öffentlichkeit sowie den Ausbau entsprechender Angebote.
Als Orientierung sollen dabei positive Beispiele aus anderen europäischen Ländern dienen. Nach Kippels‘ Einschätzung müssten zudem die positiven ökonomischen Effekte des Impfens stärker kommuniziert werden, um mehr Apotheken für das Angebot zu gewinnen.
Was Patienten wissen sollten
Wer sich derzeit in der Apotheke impfen lassen möchte, ist weiterhin auf die saisonalen Angebote gegen Grippe und Corona angewiesen. Ob und wann die Ausweitung auf weitere Totimpfstoffe kommt, ist offen.
Zu möglichen Kosten für Patienten oder dazu, in welchen Regionen ein erweitertes Angebot zuerst eingeführt werden könnte, gibt es bislang keine Festlegung. Wer wissen will, ob die eigene Apotheke bereits impft, erfährt das derzeit nur durch direkte Nachfrage vor Ort.
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