Russland hat die erste Diesellieferung in die USA seit Jahren angekündigt. Ein erster Tanker mit einer Ladefähigkeit von 40.000 Tonnen soll nach Angaben des russischen Vize-Regierungschefs Alexander Nowak noch im Oktober 2026 in Richtung USA ablegen. Diesem Schritt liegt eine Abmachung zugrunde, die US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin Anfang Oktober 2026 getroffen haben.
Nowak zufolge steht ein Vertrag für die Lieferungen kurz vor der Unterzeichnung. Er schließt auch Exporte in weitere Länder nicht aus, abhängig davon, wie schnell Russlands Raffinerien ihre Kapazitäten wieder aufbauen. Nach Einschätzung Nowaks erreicht Russland das volle Produktionsvolumen erst gegen Ende 2026.
300.000 Tonnen sofort, danach mehrere Etappen
Laut den von Trump genannten Einzelheiten der Abmachung muss Russland sofort mehr als 300.000 Tonnen Diesel für die USA und den Weltmarkt liefern. Im November 2026 sollen 500.000 Tonnen folgen. Danach sind, abhängig vom Zustand der russischen Raffinerien, weitere 3 Millionen Tonnen in kurzer Zeit vorgesehen.
Möglich macht das eine befristete Ausnahme von den Russland-Sanktionen: Das US-Finanzministerium erteilte über die Behörde OFAC mit der Generallizenz Nr. 135 eine zeitlich begrenzte Erlaubnis für Verkauf, Lieferung, Entladung und Import von russischem Diesel. Diese Erlaubnis gilt bis zum 7. April 2027. Der Kreml bestätigte die Vereinbarung und erklärte sich bereit, Erdöl und Erdölprodukte auf amerikanische und weltweite Märkte zu liefern.
Warum Trump die Sanktionen ausgerechnet jetzt lockert
Trump begründet den Schritt mit den gestiegenen Dieselpreisen in den USA. In den vergangenen Wochen gab er dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj die Schuld an der weltweiten Dieselknappheit und verlangte von ihm, keine Angriffe mehr auf russische Raffinerien zu fliegen. Trump unterzeichnete im September 2026 zugleich ein vom Parlament verabschiedetes Gesetz, das ihm weitreichende Befugnisse für neue Russland-Sanktionen gibt.
Ukrainische Kampfdrohnen treffen immer wieder russische Ölraffinerien, sodass die nötigen Reparaturen die Produktionskapazitäten bremsen. Russland selbst hatte deshalb Exportstopps für Benzin und Diesel verhängt.
Selenskyj wies die US-Erlaubnis für russische Diesellieferungen zurück und bezeichnete sie als Investition in den Krieg. Er forderte stattdessen, den Krieg zu beenden statt zu verlängern. Seit Februar 2022 verteidigt sich die Ukraine gegen die russische Invasion.
Bundesregierung hält an Sanktionen fest
Für die Europäische Union ändert der Deal nichts an der eigenen Rechtslage: Seit dem 5. Februar 2023 gilt dort ein Importverbot für russischen Diesel. Regierungssprecher Stefan Kornelius bestätigte, dass die Bundesregierung an den bestehenden Russland-Sanktionen festhält und gemeinsam mit europäischen Partnern an weiteren Maßnahmen arbeitet. Die deutsche Unterstützung der Ukraine im Abwehrkampf bleibe ungebrochen, so Kornelius.
Auch Teile des US-Kongresses stehen dem Deal kritisch gegenüber. Kritik kommt zudem von der Europäischen Union und der Ukraine, die den Schritt ablehnen.
Was der Deal für Autofahrer in Deutschland und Österreich bedeutet
Für den Tank an der heimischen Zapfsäule hat die Ankündigung bisher keine Folgen. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie erwartet angesichts der vereinbarten Mengen weder größere Auswirkungen auf die deutschen Tankstellenpreise noch signifikante Effekte auf den Weltmarkt.
Das EU-Importverbot für russischen Diesel bleibt unverändert in Kraft, die US-Erlaubnis betrifft ausschließlich amerikanische Importe. Wer seine Fahrten plant, orientiert sich also weiterhin an den bekannten Preisen – eine spürbare Entlastung an der Zapfsäule in Europa ist durch den Deal vorerst nicht zu erwarten.
Österreichweit nutzen inzwischen 1,67 Millionen Haushalte eine Jahreskarte für Bus und Bahn – auch wenn das Klimaticket Oberösterreich von allen Bundesland-Tickets am teuersten ist.